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Bert Rebhandl kommentiert: Suchmaschine

Bert Rebhandl

Neulich habe ich mir eine DVD von einem Film bestellt, von dem ich davor noch nie etwas gehört hatte: „The Naked Prey“ von Cornel Wilde, eine angeblich ziemlich wilde Geschichte um einen Weißen, der im südlichen Afrika von Eingeborenen gejagt wird. Klingt nach höherem Trash.
Warum interessiert mich dieser Film? In der fünften Staffel der Serie „Mad Men“, die ich gerade zu Ende geschaut habe, taucht „The Naked Prey“ auf. Als Filmkritiker muss ich gelegentlich etwas für meine Bildung tun, aber nach welchen Kriterien durchforstet man heute die Filmgeschichte? Die alten Kanonlisten? Man braucht ergänzende Prinzipien, Logiken des Zufalls, man braucht Suchmaschinen mit einem eigenwilligen Algorithmus.
Für mich sind Fernsehserien so eine Suchmaschine. Sehr, sehr oft tauchen dort interessante Filme auf, oder aber, das betrifft dann eher die Sitcoms, es werden esoterische Debatten über extrem populäre Filme abgehalten, die auswendig zu kennen dabei gewissermaßen vorausgesetzt wird.
Schwer hätte ich es allerdings bei meiner Lieblings-Sitcom „Seinfeld“: Die enthält nämlich eine Filmgeschichte, die es nicht gibt. Nach dem Klassiker „Rochelle, Rochelle (A Strange Erotic Journey from Milan to Minsk)“ könnte ich lange suchen. Dabei handelt es sich um einen Witz. Das dachte ich bei „The Naked Prey“ anfangs auch. Nun bin ich gespannt auf den Gegenbeweis.

Text: Bert Rebhandl

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