Kino & Stream

Bert Rebhandl kommentiert: Zulieferer

Bert Rebhandl

Kürzlich hielt der Chef der Senatskanzlei, Björn Böhning, eine Rede über „filmische Industriepolitik“, von der ich nicht genau weiß, ob sie, wie man so schön sagt, „viel beachtet“ war. Es kam dort jedenfalls zu einem interessanten Vergleich, denn Böhning warf die Filmpolitik der „Filmmetropole Nr. 1 in Deutschland“ in einen Topf mit der Industriepolitik, die sich um Chemie, Maschinenbau und Energiewirtschaft kümmert.
Letzte Woche präsentierte er nun, nach einem Procedere, das man entweder als autoritär oder als unbedarft empfinden kann, einen neuen Direktor für die dffb: Der Produzent Ralph Schwingel wurde „in Aussicht genommen“. Abgesehen davon, dass das eine merkwürdige Form ist, eine Personalentscheidung zu verkünden, ist darin doch ein deutlicher Wille zu erkennen. Mit Schwingel betreibt Berlin Industriepolitik an seiner bedeutendsten filmpädagogischen Institution. 2004 brachte Schwingel neben „Gegen die Wand“ auch noch „Kebab Connection“ an den Start – und dafür steht er seither: für betuliche Kulturkrachkomödien. Berlin ist filmindustriepolitisch exzellent aufgestellt, dass man nun aber auch die dffb in diese Richtung zweckwidmet, wird die Einseitigkeit dieser Industriepolitik nur verschärfen: Ihr mangelt es nämlich an künstlerischem Talent. Das muss – siehe „Grand Budapest Hotel“ – importiert werden. So baut man eine Zulieferindustrie, aber keinen Standort.

Text: Bert Rebhandl

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