Kino & Stream

Bert Rebhandl kommtentiert: Stereo total

Bert Rebhandl

Neulich sah ich einen Film über den Ersten Weltkrieg und musste dazu eigens eine Brille aufsetzen. Das mag auf den ersten Blick seltsam anmuten, denn Geschehnisse, die sich vor 100 Jahren zutrugen, würde man nicht unbedingt in einer 3D-Version erwarten. Doch im konkreten Fall hatte alles seine Richtigkeit: Der Regisseur ging nämlich von historischen Stereo-Aufnahmen aus, einem Verfahren zur Herstellung eines Bildeindrucks mit Tiefenwirkung. Es gab also schon in den Anfängen des Kinos entsprechende Verfahren, sie funktionierten aber nur mit Guckkästen.
Im Jahr 2013 hat sich 3D weiter durchgesetzt denn je. So vermeldet es eine Studie der FFA, die einen Marktanteil von 22 Prozent für die teureren Filme ausweist, die in einer 3D-Version angeboten werden. Angeboten? Man könnte auch sagen: Die 3D-Filme werden uns massiv aufgedrängt.
Dabei lässt die optische Qualität weiterhin zu wünschen übrig. In vielen Fällen wird durch den Effekt das Bild richtig verhunzt. Kaum einmal macht sich jemand die Mühe, eine entsprechende Ästhetik zu entwickeln, und so wird das 3D-Kino zunehmend zu einer mehr oder weniger schwer-athletischen Veranstaltung: Speere werfen, Keulen schwingen, Transformer knuffen. Vermutlich werden wir in einigen Jahren baff sein, wenn wir durch dreidimensionale Bildwelten gleiten. Bis dahin müssen wir es aber über uns ergehen lassen, dass die Industrie einen lukrativen Großversuch mit einem unausgereiften Verfahren an uns durchführt.

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