Kino & Stream

Bert Rebhandl über Leni Riefenstahl & Co.

Bert Rebhandl

Ich muss gestehen, dass ich eine gewisse Befriedigung verspürte, als ich neulich las, dass das ZDF aus dem Projekt eines Spielfilms über Leni Riefenstahl ausgestiegen ist. Allerdings war mir auch klar, dass das nicht das letzte Wort sein würde, zumal mit Maria Furtwängler eine Schauspielerin bereitsteht, die einigen Einfluss geltend machen kann. Nun gibt es auch schon Signale aus der ARD, wo man ­keine Pietätsgründe wegen Anne Frank berücksichtigen muss und wo der große Stoff wohl sicher in den Hafen einer gediegenen Ver­filmung einlaufen wird. Dass das Leben der größten und diesbezüglich zeitlebens unbelehrbar ge­bliebenen Propagandistin des NS-Regimes nun ausgerechnet von einer Firma namens UFA Fiction für unsere Gegenwart aufbereitet wird, ist mehr als nur ironisch.
Denn es erwartet uns absehbarerweise eine ähnliche Mischung aus Erfindung und „So ist es gewesen“ wie bei „Der Untergang“, bei dem es mir heute noch kalt über den Rücken runterläuft, wenn ich an die perverse Szene denke, in der über die Goebbels-Kinder das Leichentuch, pardon: die Bettdecke, ge­zogen wird. Das deutsche Kino weidet sich in großen Teilen mit ­einer merkwürdigen Mischung aus Unver­frorenheit und falscher ­Betroffenheit an den Stoffen, die ­Hitler und Kon­sorten hinterlassen haben. An Leni Riefenstahl gibt es aber nichts zu entdecken. Interessant an ihr ist nur die Rezeption. Wer wirklich hinter ihr Geheimnis kommen will, lese ihre „Memoiren“. Fast 1?000 Seiten Plauderton, ein unerträglich geistloses Buch. ­Vermutlich eine Grundlage für das Drehbuch bei UFA Fiction.

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