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„Bethlehem“ im Kino

Man möchte ungern in Sanfurs Haut stecken. Dieser ist zum einen der kleine Bruder des palästinensischen Al-Aqsa-Brigaden-Führers Ibrahim, der für diverse Selbstmordattentate verantwortlich zeichnet und vom israelischen Inlandsgeheimdienst Schabak gejagt wird. Zum anderen unterhält er eine intensive Beziehung zum Schabak-Agenten Razi, für den er seit Jahren Informationen beschafft. Sanfur befindet sich in einem schizophrenen Spagat zwischen der Loyalität zu seinem Bruder und dem Bedürfnis nach Anerkennung durch den Israeli, der ihn wie einen Sohn behandelt.
Das Drehbuch zu Yuval Adlers Spielfilmdebüt „Bethlehem“ ist in Zusammenarbeit mit dem palästinensischen Journalisten Ali Waked entstanden und basiert auf umfangreichen Recherchen. Beständig wechseln die Perspektiven; nicht nur der Großkonflikt wird abgehandelt, auch innerisraelische und innerpalästinensische Querelen werden beleuchtet. Ohne Anklage und ohne künstliches Pathos führt der spannend inszenierte Film die Determinanten einer Logik der Gegnerschaft vor und reflektiert dabei die Beweggründe und Zweifel aller Akteure, sowohl dies- als auch jenseits der Mauer.

Text: Christoph David Piorkowski

Foto: Real Fiction Filmverleih

tip-Bewertung: Herausragend

Orte und Zeiten: „Bethlehem“ im Kino in Berlin

„Bethlehem“ Israel/Belgien/Deutschland
2013; Regie: Yuval Adler; Darsteller: Shadi Mar’i (Sanfur), Tsahi
Halevy (Razi), Haitham Omari (Badawi); 100 Minuten; FSK k.A.

Kinostart: 9. Januar

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