Filmessay

„Beyond Boundaries – Brezmejno“ im Kino

Vier Länder umgrenzen das kleine Slowenien: im Norden Österreich, Kroatien im Süden, Italien schließt sich westlich an und Ungarn nordöstlich

Foto: Cisarfilm

Der slowenische Lyriker und Romancier Aleš Šteger, von dessen Gedanken dieses essayistische Road-Movie getragen wird, schreibt: „Mein Land ist kleiner als meine Hosentasche, daher gibt es Grenzen überall. Alles ist Grenze.“ Es sind unscheinbare Verläufe, nicht selten sind sie von der Natur bestimmt, manchmal ist ein friedlich vor sich hin kontrollierender Posten auszumachen.

Der Dokumentarfilmer Peter Zach und sein Kameramann Thomas Plenert reisen in „Beyond Boundaries“ jene Trennlinien entlang, die zum Zeitpunkt der Filmentstehung noch recht weich verliefen. In jeder Region, die sich um eine solche Linie erstreckt, machen sie Vermengungen aus, begegnen Menschen, die von ihnen geprägt sind. Menschen, die etwas über die Konzepte „Grenze“ und „Nation“ mitzuteilen haben.

Andrej Papucci ist Wirt der „Gostilnja Sociale“ im italienischen Triest. Selbst Slowene, treffen sich hier Italiener, Karstianer, Friulaner und Primorskianer. Er ist der Ansicht: „Außer beim Essen hat der Nationalismus nie etwas Gutes gebracht.“ In Zazid, einem verlassenen istrischen Dorf aus der Römerzeit, begegnen sie einem jungen Paar, das ein Hostel eröffnet hat, sowie Branko Barič, einem Jugo-Nostalgiker und ehemaligen Hafenarbeiter, der Menschen nicht nach Nationalitäten sortiert, sondern schlicht in die Kategorien „Mensch“ und „Arschloch“. „Beyond Boundaries“ ist ein Film über Europa – und vielleicht auch ein Nachruf.

Beyond Boundaries – Brezmejno D 2016, 95 Min., R: Peter Zach, Start: 24.11.

Bewertungspunkte2

 

Mehr über Cookies erfahren