Kino & Stream

„Beziehungsweise New York“ im Kino

Beziehungsweise New York

Cйdric Klapischs erzählerische Großzügigkeit besitzt gewissermaßen zwei Seiten: eine humanistische und eine geografische. Nicht nur die Figuren spielen in seinen Filmen eine Hauptrolle, sondern stets auch die Städte, in denen sie leben. Nun also gibt New York das Erzähltempo vor und seine Topografie darf mal Verwirrung stiften und mal für metaphorische Klarheit sorgen.
In der schönsten, zunächst traurigen und dann trotzig zuversichtlichen Szene sucht Xavier (Romain Duris) die Straßenkreuzung, an der seine Eltern einst als Jungverliebte ihre Initialen in das Pflaster ritzten. Wenn man auf die 40 zugeht, darf man nach seinen Wurzeln suchen und sich fragen, welche Spuren man im Leben der anderen hinterlässt. Und wenn man wie Klapisch Figuren über 15 Jahre folgt, darf man sich nicht nur dem Zufall anvertrauen, sondern auch an so etwas wie Bestimmung glauben.
Beziehungsweise New YorkEin ganzes Wirrsal von Gründen hat den Erasmusstudenten aus „Barcelona für ein Jahr“ hierhin geführt. Seit wir ihm in „Wiedersehen in St. Petersburg“ zum  letzten Mal begegneten, sind zehn Jahre vergangen. Nun ist er mit Wendy (Kelly Reilly) verheiratet und hat zwei Kinder mit ihr. Sie hat allerdings erstens einen reichen New Yorker kennengelernt und ist zudem entrüstet, dass Xavier als Samenspender für seine lesbische Freundin Isabelle (Cйcile de France) fungiert, die ihrerseits in der Stadt ein neues Liebesglück gefunden hat. Da Xavier bei seinen Kindern leben will, lässt er Paris hinter sich. Aufgrund bürokratischer Verwicklungen muss er in den USA eine Scheinehe eingehen. Schließlich kommt seine Ex-Freundin Martine (Audrey Tautou) nach New York und entdeckt, dass sie gern wieder eine größere Rolle in seinem Leben spielen würde. Zu allem Überfluss soll aus diesem kniffligen Lebenspuzzle noch ein Roman werden, auf den Xaviers Pariser Verleger ungeduldig wartet.
Sprunghaft und bisweilen zerstreut ist der Film. Munter blendet er zwischen den Zeitebenen hin und her und wechselt flott den Erzählmodus. Xaviers Lebenstempo ist atemloser geworden: Während es in Petersburg darum ging, Straßen zu überqueren, um Teil der Gemeinschaft (und eines Liebespaars) zu bleiben, rennt er in New York ständig seinem Leben hinterher. Klapisch hat keine Scheu, im Laufschritt die großen Sinnfragen zu stellen: Wie trifft man die richtigen Lebensentscheidungen? Warum hört die Liebe auf? Wird sich der Widerspruch zwischen vorläufigen und endgültigen Gefühlen je auflösen?

Text: Gerhard Midding

Fotos: Studiocanal GmbH

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Beziehungsweise New York“ im Kino in Berlin

Beziehungsweise New York (Casse-tкte chinois), ?Frankreich 2013; Regie: Cйdric Klapisch; ?Darsteller: Romain Duris (Xavier), Audrey ?Tautou (Martine), Cйcile de France (Isabelle); 117 Minuten; FSK 6

Kinostart: 1. Mai

Mehr über Cookies erfahren