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„Bill Douglas Trilogie“ im Kino

MY-CHILD-HOODSchottland im Jahre 1945: Der Junge Jamie wächst in dem Dorf Newcraighall in der Nähe von Edinburgh auf. Die Männer in dieser Gegend arbeiten unter Tag in den Minen, zudem gibt es deutsche Kriegsgefangene. Bittere Armut herrscht, und noch immer halten einige Menschen einen deutschen Angriff für möglich. Jamie lebt mit seinem (Halb-)Bruder bei seiner Großmutter, die allmählich den Überblick verliert – die Mutter ist psychisch krank und kaum mehr am Leben. Dies ist die Situation in „My Childhood“ von Bill Douglas, mit dem der schottische Filmemacher 1972 ein Projekt begann, an dessen Ende drei autobiographische Filme standen, die heute gemeinhin als die „Bill Douglas Trilogie“ gesehen und gepriesen werden.

Es handelt sich dabei tatsächlich um eine der großen Kindheitsgeschichten nicht nur des Kinos (am ehesten erscheint vielleicht die literarische Trilogie des Österreichers Franz Innerhofer vergleichbar), zugleich um eine der härtesten. Denn die Armut und die Verwahrlosung, in der die Kinder aufwachsen, ist nicht leicht zu verkraften, und Bill Douglas überhöhte seine Erzählung noch durch zahlreiche Symbolismen – so kommen zum Beispiel immer wieder Tiere zu Tod, als wären sie die Opfer einer scheiternden Evolution zu höherer Kultur. Zugleich ist diese Trilogie (auf „My Childhood“ folgten 1973 „My Ain Folk“ und 1978 „My Way Home“) aber eben auch Ausdruck jener kulturellen Möglichkeiten, die einen Ausweg aus der drückenden wirtschaftlichen Not weist. Douglas erzählt nämlich genau von jenen Momenten der Bewusstwerdung, die ihn schließlich zu einem Filmemacher werden ließen, der sich mit ungeheurer Empathie zwar erinnert, zugleich aber diese Erinnerung schon in den Kategorien des Kinos denkt. Der Schnitt zu Beginn von „My Ain Folk“, in dem die Farben eines „Lassie“-Films das raue Schwarzweiß der schottischen Wirklichkeit konterkarieren, ist zugleich der Riss, der durch diese Erzählung geht, in der das Kino als nicht mehr und nicht weniger als ein Überlebensmedium erscheint.

Text: Bert Rebhandl

tip-Bewertung: Herausragend

Orte und Zeiten: „Bill Douglas Trilogie“ im Kino in Berlin

„Bill Douglas Trilogie“ Großbritannien 1978; Regie: Bill Douglas; Darsteller: Stephen Archibald (Jamie), Hughie Restorick (Tommy), Jean Taylor Smith (Großmutter); 174 Minuten; FSK k.A.;

Kinostart: 28. Oktober

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