Endzeithorror

„Bird Box“ auf Netflix

Immer schön verbarrikadieren: Sandra Bullock in der Endzeitfantasie „Bird Box“ der dänischen Arthouse-Regisseurin Susanne Bier

Merrick Morton/ Netflix

Das Ende der Menschheit hat man sich schon in vielerlei Form vorgestellt. In dem neuen Netflix-Schocker „Bird Box“ kommt es so: Leute beginnen aus heiterem Himmel, sich selbst zu töten. Eine Frau in einem Krankenhaus schlägt wie besinnungslos ihren Schädel gegen eine Glaswand. Eine andere Frau steigt wie in Trance in ein brennendes Auto. Was mögen Sie gesehen haben, das sie zu ihrem selbstzerstörerischen Tun inspiriert? Damit wir das erfahren, müssen ein paar Menschen übrigbleiben.

Zuerst verbarrikadiert sich eine Gruppe in einem Haus in einer Kleinstadt, später fährt die Malerin Mallory mit ihren zwei Kindern einen Fluss abwärts, in der Hoffnung, zu einem „sicheren Ort“ zu gelangen. Sie müssen dabei stets die Augen verbunden haben, denn unter keinen Umständen dürfen sie das sehen, was den tödlichen Wahn ausgelöst haben mag.
„Bird Box“ wurde von der dänischen Arthouse-Starregisseurin Susanne Bier („Nach der Hochzeit“, „Love Is All You Need“) auf Grundlage eines Romans von Josh Malerman für Netflix inszeniert. Ein Kinostart muss in diesem Fall auch wirklich nicht sein, denn es handelt sich deutlich um Meterware. Horror im weitesten Sinn ist bei dem Streamingportal Netflix ein wichtiger Bestandteil, in den meisten Fällen wird man aber mit eher mäßig originellen Variationen bekannter Motive abgespeist. So war das kürzlich auch bei dem aus unverständlichen Gründen vielfach gepriesenen „Apostle“ von Gareth Edwards (ein vermisstes Mädchen, ein primitiver Kult, eine einsame Insel), und so ist es auch bei der Endzeitfantasie von „Bird Box“.

Ein guter Teil der zwei Stunden geht mit Geschwafel drauf, wobei vor allem die Zusammensetzung der ersten Gruppe von Überlebenden viel über die neuen Repräsentationsverhältnisse in Amerika erkennen lässt: Da wird wirklich jede Gruppe mit einer Vertreterin oder einem Vertreter bedacht (afroamerikanischer Nerd, taffes Girl, etc.). John Malkovich bringt als fieser Egoist den weißen Männern nicht eben Reputation ein. Am Ende läuft dann aber doch alles auf die weiße Heldin Sandra Bullock hinaus, die mit ihrem schönheitschirurgisch erstarrten Gesicht und dem nach Schwangerschaft wieder auf Idealproportionen gebrachten Fitbody die Hollywood-Normen ihrer Generation hochhält.

„Bird Box“ ist einer der Prestigetitel von Netflix im Dezember. Besser ist man beraten, wenn man sich stattdessen den Serien „Maniac“ oder „The Haunting of Hill House“ zuwendet.

Bird Box USA 2018, 124 Min., R: Susanne Bier, D: Sandra Bullock, Rosa Salazar, Sarah Paulson, Tom Hollander, John Malkovich, ab 21.12. nur auf Netflix

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