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„Bis aufs Blut – Brüder auf Bewährung“ im Kino

Bis aufs Blut - Brüder auf Bewährung

Weil die Realität nur selten selbstidentisch ist, ist die Sache mit der Authentizität notorisch vertrackt. Zumal, wenn ihr Gegenstand ein gesampeltes jugendliches Lebensgefühl ist, oszillierend zwischen Widerstand, Zitat und Mimikry. „Bis aufs Blut – Brüder auf Bewährung“ gelingt es, seinem fatal an eine RTL-Dokusoap erinnernden Titel zum Trotz, genau diese Bedingtheiten in seinen Erzählgestus zu integrieren und so der alten Geschichte vom guten und vom bösen Bruder neue Aspekte abzugewinnen.
Der Gymnasiast Tommy und der Hauptschüler Sule sind Freunde von Kindheit an, beide vaterlos, weshalb sie naturgemäß ganz harte Hasen werden müssen. Die Kleindealer gerieren sich als Gangsta mit Machopose, lautem HipHop und großen Plänen, was vor der idyllischen Kulisse Würzburgs einen ungewollt ironischen Charme entwickelt. Schließlich landet Tommy durch Verrat im Knast, wodurch die Läuterung maßgeblich befördert wird, so dass sich die Lebensentwürfe а la Sarrazin auseinanderdividieren: Der Oberschüler wird Physiklehrer, sein Kumpel mit Migrationshintergrund bildet sich hinter Gefängnismauern zum Schwerkriminellen weiter.
Trotz gewisser inszenatorischer und dramaturgischer Schwächen ist leicht nachvollziehbar, warum der Debütfilm von Oliver Kienle Anfang des Jahres auf dem Max-Ophüls-Festival den Publikumspreis gewonnen hat: Gerade aus der Distanzlosigkeit der Erzählweise, die einiges an Differenzierung verschluckt und zuweilen mit dem Erklären nicht ganz hinterherkommt, zieht der Film seine mitreißende Energie.

Text: Stella Donata Haag

tip-Bewertung: Annehmbar

Orte und Zeiten: „Bis aufs Blut – Brüder auf Bewährung“ im Kino in Berlin

BIS AUFS BLUT – BRÜDER AUF BEWÄHRUNG, Deutschland 2009; Regie: Oliver Kienle; Darsteller: Jacob Matschenz (Tommy), Burak Yigit (Sule), Balder Beyer (Keiler); 113 Minuten

Kinostart: 23. September

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