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„Biutiful“ im Kino

bardem_biutifulAlejandro Gonzбlez Iсбrritu macht in seinen Filmen gerne den schicksalhaften, nur scheinbaren Zufall zum Autor der Lebensgeschichten seiner Figuren. Seine Episodendramen „Amores Perros“ oder „Babel“ sind pointierte Erzählungen von (globalen) Linien, die unbarmherzig verknotet werden. Doch die Last, die Iсбrritu sonst auf ein ganzes Ensemb­le verteilt, nimmt nun der Held von „Biutiful“ ganz alleine auf seine Schulter, eine Zuspitzung, die nicht zuletzt dank des Hauptdarstellers Javier Bardem einen positiven Effekt hat: Statt der leicht penetranten Thesenhaftigkeit, die zu Iсбrritus Markenzeichen wurde, ist „Biutiful“ als auf sich selbst konzentriertes Supermelodram inszeniert.

Uxbal (Bardem) steht als Vater zweier Kinder, die er von ihrer psychisch instabilen Mutter fernzuhalten versucht, im Zentrum dieses düsteren Barcelona-Panoramas: Er ist Dealer aller möglichen illegalen Waren, auch Amateur-Menschenhändler, vor allem aber selbst unter wachsendem Druck, weil er seine Kinder in verantwortungsvolle Hände übergeben will, bevor er an seiner Krebserkrankung stirbt. Ein ambivalenter Charakter, der nebenbei auch noch die Gabe hat, die Geister der Toten zu sehen. So packend und dynamisch inszeniert Iсбrritu die Himmel- und Höllenfahrt Uxbals, dass man am Ende ebenso viel Respekt vor dem Aktionismus der Hauptfigur bekommt wie vor Iсбrritus Spiel mit der Tragödie. 

Text: RW

Das tip-Interview mit Javier Bardem finden Sie hier.

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Biutiful“ im Kino in Berlin

Biutiful Spanien/Mexiko 2010; Regie: Alejandro Gonzбlez Iсбrritu; Darsteller: Javier Bardem (Uxbal), Maricel Бlvarez (Maramba), Hanna Bouchab (Ana); 147 Minuten; FSK 16

Kinostart: 10. März

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