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„The Black Power Mixtape 1967–1975“ im Kino

The_Black_Power_MixtapeDie sozialdemokratische Hochburg Schweden blickte um 1970 besonders kritisch auf die Supermacht USA – so kritisch, dass der auflagenstarke „TV Guide“ in Amerika sogar eine Titelgeschichte darüber schrieb, wie verzerrt man sich von dort drüben wahrgenommen fühlte. Dabei haben die Reporter des schwedischen Fernsehens damals wirklich genau hingesehen, wie man nun dem Dokumentarfilm „The Black Power Mixtape“ entnehmen kann, für den Göran Hugo Olsson in die Archive gegangen ist und die großen Mengen Material ausgewertet hat, die damals für das schwedische Fernsehen in den USA gedreht wurden. Olsson hat daraus eine Geschichte der zweiten Phase der Bürgerrechtsbewegung montiert, die von 1967 bis 1975 reicht, und die nicht mehr von den übermächtigen Figuren Martin Luther King und Malcom X geprägt war, sondern von den politisch radikaleren Verfechtern einer „Black Power“.

Die Gewaltfrage war damals das große Thema, und sie ist es auch in „The Black Power Mixtape“, in dessen Zentrum ein tolles Interview mit der inhaftierten afroamerikanischen Intellektuellen Angela Davis steht, die in eindringlichen Worten erklärt, wo die Gewalt beginnt – und wo daraus Gewalt entsteht. Olsson verbindet die Bilder von damals mit vielen Stimmen von heute, so ist aus dem Off auch Angela Davis noch einmal zu hören, die heute an der University of California in Santa Cruz unterrichtet. Die Auswahl der Stimmen ist zugleich klug und populär: Wir hören die große Erykah Badu und den nicht minder großen, aber nicht ganz so bekannten Abiodun Oyewole von den „Last Poets“, während wir in den alten Aufnahmen neue Eindrücke von so bekannten Figuren wie Stokely Carmichael bekommen. Der charismatische „Black Panther“ zeigt sich hier von seiner gewinnendsten Seite, wenn er einer schwedischen Reporterin sanft das Mikrofon wegnimmt und selbst das Interview mit seiner Mutter über das Leben in den afroamerikanischen Gettos führt. Die USA befanden sich damals am Rande eines Bürgerkriegs, aber die Schweden ließen sich davon nicht nervös machen und machten guten Journalismus, aus dem nun ein guter Film geworden ist.

Text: Bert Rebhandl

Foto: Mouna GmbH

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „The Black Power Mixtape 1967–1975“ im Kino in Berlin

The Black Power Mixtape 1967–1975 Schweden/USA/Deutschland 2011; Regie: Göran Hugo Olsson; 92 Minuten; FSK 12

Kinostart: 15. Dezember

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