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„Blancanieves“ von Pablo Berger

Blancanieves_Ein_Maerchen_von_Schwarz_und_Weiss_05_c_AVVisionenFilmverleihNach „The Artist“ folgt mit „Blancanieves“ der nächste moderne Stummfilm, der sich bis in zeitspezifische technische Eigenheiten der alten Epoche angleicht. In Pablo Bergers retrovisionärer Adaption von „Schneewittchen“ inszeniert der Spanier das Grimm’sche Märchen als expressionistisches Schwarz-Weiß-Melodram, samt historischem Bildformat und Zwischentiteln. Die Vorlage verknüpft Berger mit der Selbstfindungsgeschichte einer noblen Matadoren-Tochter in Sevilla. Im Haus ihres gelähmten Vaters, einst ein gefeierter Stierkämpfer, setzt dem Mädchen ihre teuflische Stiefmutter zu (unheimlich böse: Maribel Verdъ).

Interview: Gegen die herrschenden Konventionen – Pablo Berger über seinen Stummfilm in schwarzweiß 

Zwerge kommen ebenfalls vor, auch eine Art Prinzenfigur – allerdings kein klassischer Rettertyp. Von assoziativer Orchestermusik unterlegt und durch dramatische Schnitte rhythmisiert, wird der Film zur visuellen Sinfonie mit einprägsamen poetischen Bildern: tanzende Füße zum Flamenco, die sinnliche Choreografie des Stierkämpfers, Blicke, Hände, lange Schatten. Trotz des schrägen Witzes – etwa in Gestalt eines Zwergs in Drag – lauert am Boden der Geschichte doch dunkler Ernst. Da hält sich „Blancanieves“ treu an den Ton der Grimm-Brüder.

Text: Ulrike Rechel

Foto: AV Visionen Filmverleih

tip-Bewertung: Herausragend

Orte und Zeiten: „Blancanieves – Ein Märchen von Schwarz und Weiß“ im Kino in Berlin

Blancanieves Spanien/Frankreich 2012; Regie: Pablo Berger; Darsteller: Maribel Verdъ (Encarna, die Stiefmutter), Daniel Gimйnez Cacho (Antonio Villalta, der Vater), Бngela Molina (Doсa Concha, die Großmutter); 104 Minuten; FSK k.A.

Kinostart: 28. November

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