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Blaxploitation-Filmreihe im Arsenal

Blaxploitation - Tamara Dobson in

„Black is beautiful“: Wer diese Parole noch kennt, der erinnert sich auch an die Blaxploitation-Filme, die in der ersten Hälfte der 1970er-Jahre in den Kinos liefen. Martin Luther Kings Kampf für Bürgerrechte, die Black Panther Party und der Aufstand in den Ghettos hatten Ende der 1960er-Jahre dem Selbstbewusstsein der Afroamerikaner in den USA einen gewaltigen Aufschwung gegeben, der auch an der Filmindustrie nicht vorüberging.   
Mit seinem unabhängig produzierten „Sweet Sweetback’s Baadasssss Song“ legte Melvin van Peebles (als Regisseur, Autor, Hauptdarsteller, Produzent und Komponist) 1970 den Grundstein: Protagonist ist ein schwarzer Zuhälter, der mit der Polizei in Konflikt gerät und läuft, läuft, läuft – aber dazwischen auch noch genügend Zeit für Sex hat, was dem Film ein X-Rating einbrachte. Die aufregende Entstehungsgeschichte rekonstruierte Van Peebles‘ Sohn Mario drei Jahrzehnte später in „Baadasssss!“, der 2004 auf der Berlinale lief.
Auch „Superfly“, 1972 inszeniert von Gordon Parks Jr., zeigte seinen Protagonisten als zwiespältige Figur: Der Drogendealer Priest will aussteigen, zuvor aber noch den Deal seines Lebens machen. Sein Partner dagegen meint, als Schwarzer habe man wenig andere Karrieremöglichkeiten. Die Actionszenen, darunter eine furiose Verfolgungsjagd zu Fuß gleich zu Beginn, sind hier den Diskussionen über das, was man als Afroamerikaner in der weißen Gesellschaft erreichen kann, noch untergeordnet. Auch verrät der Film eine gewisse Skepsis gegenüber dem Wortradikalismus gewisser Gruppen. Von drei Militanten angemacht erklärt Priest: „Solange ihr es nicht schafft, euch Gewehre zu besorgen, könnt ihr eure Kampflieder woanders plärren!“ Gejagt von weißen Drogendealern und der Polizei (die sich am Ende in gewisser Weise als synonym herausstellen), gönnt der Film seinem Protagonisten immerhin ein Happy End.
Blaxploitation - Richard Roundtree als Den großen kommerziellen Durchbruch des Blaxploitation-Films erzielte Parks‘ Vater Gordon Parks Sr., der zuvor ein renommierter Fotograf war und 1969 mit dem autobiografischen „The Learning Tree“ schwarzes Selbstbewusstsein formuliert hatte, bereits im Jahr zuvor mit „Shaft“. Etwas merkwürdig mag es angemutet haben, als der brüllende Löwe, das Wahrzeichen des MGM-Studios, das sich einst brüstete, „more stars than there are in heaven“ zu besitzen, vor diesem Film sein Haupt erhob. Doch es zeigte, dass Blaxploitation quasi eine Gelddruckmaschine war, viel zu wertvoll, als dass man sie allein schwarzen Independent-Filmern überlassen wollte. Nach drei Filmen mit dem Privatdetektiv John Shaft folgte entsprechend noch eine siebenteilige Fernsehserie. Isaac Hayes‘ Titelsong feierte die „Sex Machine“ und wurde mit einem Oscar ausgezeichnet, ein Ohrwurm noch heute, wie auch Curtis Mayfields „Pusher Man“ (aus „Superfly“) und Bobby Womacks „Across 110th Street“. Mit seinem langen Ledermantel schließlich wurde John Shaft (Richard Roundtree) zur Stilikone.
Genreveteranen des B-Films wie Jack Hill, Jack Starrett, Barry Shear und Gordon Douglas wurden angeheuert, um in kürzester Zeit Nachschub zu produzieren; Barry Pollock drehte mit „Cool Breeze“ 1972 ein Remake von John Hustons „Asphaltdschungel“ (1950); bereits 1968 hatte Jules Dassin mit „Uptight“ John Fords Klassiker „The Informer“ (1935) in das Ghetto verlegt. Selbst Horrorspezialist Jack Arnold („Tarantula“) inszenierte 1975 mit „Boss Nigger“ einen Western mit schwarzen Protagonisten, während Larry Cohen die Aufstiegsgeschichte seines „Black Caesar“ an dem Gangsterfilmklassiker „Little Caesar“ (1931) orientierte – in Deutschland setzte man eher auf das Kurzzeitgedächtnis des Publikums und betitelte ihn „Der Pate von Harlem“ beziehungsweise (auf DVD) „Black Max“.
Bei allem Abfeiern von Macho-Attitüden bot das Blaxploitation-Kino aber auch eine Reihe von starken Frauen. Neben Tamara Dobson als „Cleopatra Jones“ war die wichtigste von ihnen Pam Grier, die in den Titelrollen von „Coffy“ und „Foxy Brown“ brillierte. Ihr gab Quentin Tarantino 1997 in seinem Film „Jackie Brown“ die Titelrolle und deshalb findet sich der Film auch völlig zu Recht als einzige neuere Produktion in der Filmreihe Blaxploitation, die im Arsenal-Kino bis Ende August läuft.

Text: Frank Arnold

Foto oben: Deutsche Kinemathek

Blaxploitation, Fr 20. Juli bis Fr 24. August im Arsenal-Kino

www.arsenal-berlin.de

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