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„The Bling Ring“ im Kino

The Bling Ring

Es geschieht nicht allzu häufig, dass man ein ganzes Drehbuch journalistisch aufgearbeitet in einem Magazin nachlesen kann. Sofia Coppolas Adaption der Geschichte fünf krimineller Jugendlicher, die für nahezu ein Jahr Angst und Schrecken auf den Gipfeln der Hollywood Hills verbreiteten, basiert auf dem „Vanity Fair“-Artikel „The Suspects Wore Louboutins“ von Nancy Jo Sales. In ihm arbeitet die Journalistin eine Chronologie zahlreicher Diebstähle auf, deren Fakten ein Delikt ergeben, das durchaus wunderlich und offensichtlich filmreif ist: In besagtem Zeitraum wurden Gegenstände in einem Wert von insgesamt über drei Millionen US-Dollar entwendet; die Bestohlenen stammen allesamt aus dem prominenten bis semiprominenten Segment Hollywoods – und der Polizei von L. A. ist es ungewöhnlich lange nicht gelungen, überhaupt einen Zusammenhang zwischen den verschiedenen Vorfällen herzustellen.
Der Grund: Das nur wenige Köpfe umfassende Syndikat bestand durchweg aus Personen, die bisher in noch keiner relevanten Art und Weise kriminell auffällig geworden waren. Minderjährige aus gutem Hause mit einem gewissen Hang zum Star-Fetischismus, wer hätte das gedacht? Da das Internet jedoch auch schon im Jahr 2009 schneller und akribischer arbeitete, als viele es für möglich hielten, war es am Ende die rege Profilierung der Gruppe selbst in sozialen Netzwerken, welche den Beamten letztlich die Spur zum sogenannten „Bling Ring“ wies.
Ein Stoff, den Sofia Coppola nun in ästhetisch ansprechenden Bildern verfilmt hat. Und die könnten in ihrer Leblosigkeit, Wiederholung und Kühle indessen genauso gut einer Fotostrecke eben jener „Vanity Fair“ entsprungen sein. Das ist durchaus konsequent. Ab einem gewissen Zeitpunkt aber nicht minder ermüdend. Einem psychologischen Ansatz verwehrt sich Coppola völlig, bis auf einige wenige, dafür aber herausragende Szenen familiärer Küchensituationen. Und entscheidet sich stattdessen für die Patina einer gelangweilten Clique, die munter Paris-Hilton-Kleidchen anprobiert. So entlässt einen „The Bling Ring“ mit einem reichlich diffusen Gefühl, mit einer merkwürdigen Leere. Ein Ergebnis, das möglicherweise genau dem Ziel dieser Aneinanderreihung von Oberflächenansichten entspricht.

Text: Carolin Weidner

Foto: Merrick Morton / TOBIS Film

tip-Bewertung: Zwiespältig

Orte und Zeiten: „The Bling Ring“ im Kino in Berlin

The Bling Ring, USA 2013; Regie: Sofia Coppola; Darsteller: Emma Watson (Nicki), Katie Chang (Rebecca), Israel Broussard (Marc); 91 Minuten; FSK 12

Kinostart: 15. August

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