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„Body“ von Ma?gorzata Szumowska im Wettbewerb

Body

Staatsanwalt Janusz (Janusz Gajos) wird zu einem Selbstmörder gerufen. Er hat sich erhängt, am Ast eines Baumes. Routine. Das Seil durchgeschnitten. Der Körper fällt schwer zu Boden. Und während sich Janusz und die Polizisten noch unterhalten, steht der Mann auf und geht. Torkelt fort. Ein Obdachloser. Die Eingangsszene setzt den Ton des Films im Tragisch-Komischen. Eine Erleichterung, denn die Körper, mit denen es Janusz zu tun hat, sind Leichen, meist grausam zugerichtet. Seinem eigenen Körper mutet er deutlich zu viel Alkohol zu, seine Tochter Olga (Justyna Suwala) ist magersüchtig. So läuft die Geschichte der beiden auf die der Psychologin Ana (Maja Ostaszewska) zu, die an eben der Klinik mit magersüchtigen Mädchen arbeitet, in die Olga eingeliefert wird. Ana, in Statur und Gang einer Nonne ähnelnd, lebt mit ihrem Hund zusammen, ein Riesenvieh, fast genauso groß wie sie selber, mit dem sie in einem Bett schläft. Auch Ana hat offenbar kein einfaches Verhältnis zu ihrem eigenen Körper. Fit, schön und strahlend ist in diesem Film von Ma?gorzata Szumowska keiner. Alle sind physisch und psychisch massiv angeschlagen. Der Grund dafür sind abwesende Körper. Die Frau von Janusz ist seit sechs Jahren tot, der Sohn von Ana schon etwas länger, acht Monate alt wurde er, plötzlicher Kindstod. Da kann man schon etwas wunderlich werden. Ana ist ein Medium oder hält sich für ein solches, jedenfalls nimmt sie mit Verstorbenen Kontakt auf.
Das klingt absurd? Szumowska ist schon auf der Berlinale 2013 mit ihrem Wettbewerbsbeitrag „Im Namen des … (W imi? …)“ dadurch aufgefallen, dass sie den Schauspielern genügend Raum gibt, ihre Figuren in all ihren Widersprüchlichkeiten zu entfalten. So kann auch „Body“ die unterschiedlichen Stränge über anorektische, gewaltsam getötete und spiritistisch anwesende Körper in einer einzigen Story zusammenhalten, im Wissen, dass es im Leben eben nicht nur lineare Erzählungen gibt, sondern auch Sprünge, bei denen nicht jedes Detail erklärt werden kann, und die dennoch völlig logisch in eine Geschichte passen. Tatsächlich gelingt der polnischen Regisseurin am Ende eine derart überraschende Auflösung des Vater-Tochter Konflikts, dass man nicht weiß, ob es sich dabei um eine super-subtile Form von Psychotherapie, ein Märchen oder eben nur die Sprunghaftigkeit des Lebens an sich handelt. Die diesjährige Berlinale sucht starke Frauen. Mit Ma?gorzata Szumowska hat sie eine gefunden.

Text: Stefanie Dörre

Foto: Jacek Dryga?a

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Termine: Body

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