Dokumentarfilm

„Bolschoi Babylon“ im Kino

„Bolschoi Babylon“ wagt einen Blick hinter die Kulissen des Balletts

Foto: Polyband

Im Bolschoi-Theater scheint es zuzugehen wie beim „Phantom der Oper“: Intrigen, Günstlingswirtschaft – und wer nicht gut auf sich aufpasst, muss womöglich noch um Leib und Leben fürchten. So jedenfalls sieht es der britische Dokumentarfilm „Bolschoi Babylon“ von Nick Read und Mark Franchetti. Die beiden nehmen ein Säureattentat aus dem Jahr 2013 auf Sergej Filin, den künstlerischen Leiter des Bolschoi-Balletts, zum Anlass, hinter die Kulissen dieses großen Aushängeschilds russischer Kultur zu blicken.
Dabei ist der spektakuläre Aufhänger – als Urheber des Anschlags wird schließlich ein Solotänzer verurteilt, der sich zurückgesetzt fühlte – nur ein Aspekt all der politischen und wirtschaftlichen Abhängigkeiten und Positionskämpfe, die der Film vor allem deshalb dokumentieren kann, weil Wladimir Urin, der aktuelle Intendant des Theaters, eine Politik der Offenheit ausgerufen hat.
Dass sich der Film dabei nicht allein auf die Rangeleien in der Führungsetage beschränkt, sondern auch die Hoffnungen, Ängste, Loyalitäten und Motivationen der Tänzer vom Corps de Ballet bis zum Solostar beleuchtet, ist sein Verdienst. Schade nur, dass die Interviews recht gleichförmig wirken: Viele sprechende Köpfe und ein endloser Strom von Untertiteln lassen nur wenig Raum zum Luftholen.

Bolschoi Babylon GB 2015, 87 Min., R: Nick Read, Mark Franchetti, Start: 21.7.

Bewertungspunkte3

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