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„Bombay Diaries“ im Kino

Bombay Diaries

Bombay – oder Mumbai, wie es die offizielle Schreibweise heute vorschreibt – ist sicherlich die schillerndste, widersprüchlichste und aufregendste Stadt des heutigen Indiens. Die kosmopolitische und multikulturelle Millionenmetropole, die sowohl die Traumfabrik Bollywood als auch die größten Slums des Landes hervorgebracht hat, ist ein magnetischer Anziehungspunkt für Migranten aus ganz Indien. Dieser Stadt hat Kiran Rao mit ihrem beeindruckenden Debütfilm „Bombay Diaries“ („Dhobi Ghat“) jetzt eine wunderschöne Liebeserklärung gemacht. Ohne die gängigen Klischees der konventionellen Bollywood-Produktionen und mit einer in indischen Filmen eher seltenen Leichtigkeit erzählt sie die Träume und Sehnsüchte von vier Menschen mit sehr unterschiedlichem Hintergrund, deren Welten sich trotz der Klassen- und Kastenunterschiede überschneiden und miteinander verweben.
Shai, eine indische Investmentbankerin und Hobbyfotografin aus New York, die für ein Jahr ihren Job verlässt, um die ihr bislang unbekannte Stadt ihrer Eltern mit der Kamera zu entdecken, freundet sich mit einem jungen Mann an, der regelmäßig ihre Wäsche abholt. Munna, ein außerordentlich gut aussehender Wäscherboy aus den Slums, der von einer Model-Karriere träumt, zeigt ihr die versteckten Ecken der faszinierenden Metropole, sie macht ihm dafür Fotos für eine Setcard. Und dann gibt es noch den Maler Arun, einen verschlossenen Einzelgänger, gespielt von Bollywoodstar (und Ehemann der Filmemacherin) Aamir. Auch er lässt seine Wäsche von Munna waschen. Shai hatte ihn kurz nach ihrer Ankunft bei einer Party getroffen und mit ihm die Nacht verbracht. Aruns kreative Inspiration wird jedoch plötzlich durch eine unbekannte junge Frau angefacht, die wohl vorher in seiner neuen Wohnung gelebt haben muss und deren Videotagebücher er zufällig in einem Kästchen entdeckt.
Kiran Rao vermischt geschickt unterschiedliche Formate von Super 16, Mini-DV, Schwarz-Weiß-Fotografien und Malerei, die die fragmentierten Erfahrungen und Sehnsüchte der Protagonisten, aber auch ihre Einsamkeit widerspiegeln – Stimmungsbilder, die auch von dem betörenden Soundtrack der mit indischen Instrumenten vermischten, leicht melancholischen Gitarrenklänge des Argentiniers Gustavo Santaolalla eingefangen werden.

Text: Barbara Lorey

Foto: Rapid Eye Movies

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Bombay Diaries“ im Kino in Berlin

Bombay Diaries (Dhobi Ghat), Indien 2010; Regie: Kiran Rao; Darsteller: Prateik Babbar (Munna), Monica Dogra (Shai), Kriti Malhotra (Yasmin); 102 Minuten; FSK 6

Kinostart: 29. September

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