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Romanze 

Zwei gegen den Rest: „Bonnie und Bonnie“ im Kino

Zwei junge Hamburgerinnen brennen als „Bonnie und Bonnie“ zusammen durch

Edition Salzgeber/Riva Filmproduktion/Rodja Kükenthal

Diese Liebe beginnt mit einer ­Klinge am Hals. Bei einer Mutprobe mit ihren Freunden ergreift die 17-jährige Yara (Emma Drogunova) die Hand von Kiki (Sarah Mahita), die zufällig auf der Straße vorbeiläuft – und soll sie direkt richtig kennenlernen: Kiki, ganz taffes Working-Class-Mädchen, zückt ein Messer, Yara bettelt um Gnade. Aber trotz der verunglückten ersten Begegnung können die beiden einander nicht vergessen. Schnell ­nähern sie sich an, spüren schließlich, dass sie mehr zu verbinden scheint als Freundschaft. Ein Geheimnis muss ihr Verhältnis trotzdem bleiben, denn Yaras Familie, die aus Albanien stammt, tickt erzkonservativ. Als die Beziehung auffliegt, wird die Milieustudie zum Roadmovie: Yara und Kiki fliehen gemeinsam gen Südfrankreich.

Die Titel-Referenz an die gesetzlosen Lieben­den Bonnie und Clyde kommt nicht von ungefähr: Offensichtlich hat es Regisseur Ali Hakim darauf angelegt, eine ganz und gar klassische Romanze zu inszenieren – nur eben in queer und verlegt ins Migranten- und ­Arbeiterviertel Hamburg-Wilhelmsburg. Leider bleiben die beiden Frauenfiguren bei alledem seltsam statisch: Yara ist die zurückhaltende, aber furchtlose Rebellen-Natur im Korsett der Traditionen, Kiki das hartgekochte Bad Girl, das auf die fehlende Liebe in ihrem Leben mit Brutalität antwortet. Alle Feinheiten und Unschärfen im Wesen der beiden wurden in allzu groben Strichen überzeichnet. Wie überwältigend und furchteinflößend eine Liebe sein kann, von der man nicht wusste, dass man sie empfinden kann, will einem Hakim mit aller Gewalt zeigen – wirklich nahebringen kann er einem die Coming-out-Erfahrung der jungen Frauen nicht.

Bonnie und Bonnie D 2019, 90 Min., R: Ali Hakim, D: Emma Drogunova, Sarah Mahita, Start: 24.10.

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