Jazzdrama

„Born To Be Blue“ im Kino

1966 ist Jazztrompeter Chet Baker (Ethan Hawke) an einem Tiefpunkt. Er liegt hallu­zinierend in einer schmutzigen Gefängniszelle in Italien, aufgrund seines Heroin­konsums erwartet ihn eine längere Haftstrafe

Foto: Alamode

Auslösen wird ihn der Angestellte einer Filmproduktionsfirma: Man braucht Baker, damit er in einem Film über sein Leben sich selbst spielt.
Die Dreharbeiten sind eine clevere Konstruktion in der recht freien und unterhaltsamen Filmbiografie des kanadischen Regisseurs Robert Budreau über einen Abschnitt im Leben des Musikers. Einerseits verweisen sie auf die Vergangenheit, als Baker in den 50er-Jahren mit einschmeichelnder Stimme, sensitivem Trompetenspiel und gutem Aussehen zum King of Cool avancierte. Andererseits beginnt hier seine Zukunft mit der ­(fiktiven) schwarzen Schauspielerin Jane (Carmen Ejogo). Sie wird die Gefährtin der kommenden harten Jahre, die vom Verlust seines Ansatzes am Mundstück, finan­ziellen Notlagen und dem Heroin-Ersatzstoff Methadon geprägt sind. Bis die neue Chance auf ihn wartet.
Im wahren Leben war Chet Baker wohl ein egozentrischer Junkie, der seine Ehe­frauen und Geliebten miserabel behandelt haben soll. Ethan Hawke spielt ihn überzeugend als unsicheren, kindlichen Charakter, der viel Zuspruch benötigt und – allein gelassen – stets die falschen Entscheidungen trifft. Die Highlights und Tiefpunkte reichen am Ende für mehrere Leben. Denn das hatte Miles Davis dem weißen Jungen einst abschätzig mit auf den Weg gegeben: „Komm wieder, wenn Du ein wenig gelebt hast.“

Born To Be Blue CAN/GB 2015, 98 Min., R: Robert Budreau, D: Ethan Hawke, Carmen Ejogo, Start: 8.6.

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