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„Boykott“ von Lars Penning

Die Oscar-Nominierungen sind bekannt gegeben worden, und einmal mehr muss man sagen, dass es nichts wirklich Spektakuläres zu vermelden gibt. Die Nominierungen bewegen sich im Rahmen des zu Erwartenden, soll heißen, es sind die soliden Großproduktionen, deren Vertreter am Ende einmal mehr den Preisregen einheimsen werden. Spannend wird es höchstens bei den nominierten Hauptdarstellerinnen: Sowohl Cate Blanchett für „Carol“ – dass man Rooney Mara für denselben Film nur als Nebendarstellerin nominiert hat, ist allerdings absurd – als auch die 21-jährige Saoirse Ronan (für „Brooklyn“) boten in ihren jeweiligen 50er-Jahre-Dramen Exzeptionelles. Auch in den oft weniger beachteten Kategorien wie den Dokumentar- oder den Animationsfilmen kann man durchaus mit Meisterwerken hoffen: „The Look of Silence“, Joshua Oppenheimers Aufarbeitung der Schrecken der indonesischen Militärdiktatur, ist da beispielsweise ebenso nominiert wie „Alles steht Kopf“, Pixars trickreicher Blick in das Emotionszentrum einer 11-jährigen. Doch das alles wird nun noch überlagert von einer Debatte um vermeintlichen Rassismus bei der Academy: Weil in diesem Jahr keine schwarzen Filmschaffenden in den Hauptkategorien nominiert wurden, wollen einige zugkräftige schwarze Stars der Verleihung fernbleiben. Doch im Grunde ist ein Boykott der Oscars ein Protest am falschen Ende der Industrie – denn nominiert wird am Ende ja nur, was überhaupt produziert wird.

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