Kino & Stream

„Brand – Eine Totengeschichte“ im Kino

Brand - Eine Totengeschichte

Der Wut des Bierbichler Josef ist nur mit ganz großem Pathos beizukommen. Da muss es als Versöhnungschiffre schon das Reh sein, das großäugig und flankenzitternd aus dem Waldsaum tritt. Einen Moment lang sieht es so aus, als könnte sich der ganze Schlamassel um die krebskranke Ehefrau, die zerrütteten Finanzen und den eifersüchtigen türkischen Gatten der jungen Geliebten doch noch irgendwie auflösen. Tut er aber nicht, das Reh wird von einem Jäger schnöde erlegt.
Bierbichler spielt den berühmten Schriftsteller Brand, der sich das langsame Sterben seiner Gefährtin schreibend und fotografierend vom Leibe hält und sich in der Affäre mit einer Krankenschwester der eigenen Vitalität versichert. Die Fragen nach Voyeurismus und Kontrolle ergeben ein filmisch reizvolles Sujet, der düster-verregnete Grundton ist gut getroffen, die Glanzlichter des schwarzen Humors funkeln böse – doch leider verschenkt Regisseur Thomas Roth dieses Potenzial durch strikte Fixierung auf den Plot. Am Ende gibt’s irgendwie Gerechtigkeit, und es fehlt nur der naturselige Werbespot der größten deutschen Privatbrauerei.

Text: Stella Donata Haag

Foto: Martin Valentin Menke / Lotus Film

tip-Bewertung: Zwiespältig

Orte und Zeiten: „Brand – Eine Totengeschichte“ im Kino in Berlin

Brand – Eine Totengeschichte, Österreich/Deutschland 2010; Regie: Thomas Roth; Darsteller: Josef Bierbichler (Brand), Angela Gregovic (Angela), Erika Deutinger (Martha); 109 Minuten; FSK 16

Kinostart: 1. Dezember

Mehr über Cookies erfahren