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„Brasserie Romantiek“ im Kino

Brasserie Romatiek

Die Kummerfalten kommen nicht von ungefähr: Pascaline, gute 40, leitet nicht nur ein kleines elegantes Restaurant, sondern gibt auch ihrem Bruder Angelo Halt, der zwar ein guter Koch sein mag, doch als Choleriker mit Hang zum Alkohol wenig als Vater für seine Teenietochter taugt. Zwar hat der „Gault Millau“ ihre Brasserie Romantiek mit einer Kochmütze belohnt, doch für Angelo dürfte es gerne noch eine zweite sein. Und so hat er sich für den Valentinstag ein verführerisches Menü ausgedacht, das nicht nur Feinschmecker betört, sondern auch die Lebenslust im nasskalten belgischen Februar wecken soll.
Einen ähnlichen Anspruch mag auch Regisseur Joël Vanhoebrouck verfolgen, dessen „Brasserie Romantiek“ jenes Publikum gut unterhält, das vom Verführungspotenzial kulinarischer Genüsse weiß und das Ganze zur Lebensart stilisiert. Keine Spur also von Dekadenz und Systemkritik, die einst in Marco Ferreris „Das große Fressen“ brodelte. Stattdessen eine Wohlfühlkomödie, die sich auf vier Paare konzentriert, deren Liebe gerade erlischt oder am Erwachen ist. Kleine Political-Correctness-Tupfer wie ein homosexuelles und ein gemischtrassiges Paar runden die Palette ab, mit der die Komödie die gängigsten Konstellationen skizziert.
Paul etwa, Autoverkäufer „Mr. Volvo“, schenkt seiner Frau wieder einmal Chanel Nr. 5 mit denselben Floskeln wie im Jahr zuvor. Am Nebentisch wartet Walter unauffällig auf sein Blind Date, das sich als Vollweib mit ausgeprägtem Appetit auf Sex entpuppt. Um seine Fadheit wissend, lässt er sich auf der Toilette von seinem testosterongesteuerten Fantasie-Ich coachen. Die attraktive Mia hingegen sitzt allein an jenem Tisch, an dem sie sich vor sieben Jahren verlobte. Kürzlich hat ihr Gatte sie verlassen, und Mia spielt mit einer vergifteten Praline eine Art russisches Roulette.
Bleibt noch jener ominöse erste Gast, der sich unter falschem Namen ins Restaurant schlich. Über all das hinaus kocht zwischen Vorspeise und Dessert auch auf den restaurantinternen Krisenherden so einiges über. „Brasserie Romantiek“ konzentriert sich auf das Geschehen in Küche und Gastraum und punktet filmsprachlich nicht als Delikatesse. Wortwitz und Ironie schärfen zwar den Blick auf die Paarkonstellationen, die Entwicklungen bleiben allerdings vorhersehbar. Goutierbar als solides ausgewogenes Menü.

Text: Cristina Moles Kaupp

Foto: Rendezvous Filmverleih

Orte und Zeiten: „Brasserie Romantiek“ im Kino in Berlin

Brasserie Romantiek, Belgien 2012; Regie: Joel Vanhoebrouck; ?Darsteller: Sara de Roo (Pascaline), Axel Daeseleire (Angelo), Koen de Bouw (Frank); 102 Min.

Kinostart: Do, 12. Februar 2015

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