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„Brautalarm“ im Kino

Brautalarm

Hinter dem Einerlei-Titel könnte eine dieser am Reißbrett entworfenen Hollywood-Liebeskomödien stecken. Leicht zu verwechseln mit Filmen wie „Selbst ist die Braut“, die das Finden des Manns fürs Leben mit viel Romantik, Hochzeitsfeierflair und unverfänglichem Klamauk anreichern. Doch obwohl in „Brautalarm“ mit manchem Genrebaustein hantiert wird, ist Paul Feigs Komödie anders: Sie stellt die Chick-Flick-Welt vielmehr schonungslos auf den Kopf, indem sie die Hochzeits-Rom-Com mit jenem halsbrecherischen und nicht gerade körperflüssigkeitsarmen Humor verheiratet, den man eigentlich aus den Jungs-Komödien aus dem Dunstkreis von Judd Apatow kennt, der auch „Brautalarm“ produziert hat.
Statt der sonst üblichen Geeks wird die Bühne geräumt für ein illustres zusammengewürfeltes Brautjungferngrüppchen im Vorfeld der Hochzeit der gemeinsamen Freundin Lillian (Maya Rudolph). Im Zentrum steht dabei Annie (Kristen Wiig), die beste Freundin und künftige Trauzeugin der Braut, der – unter anderem durch die Freundschaftskonkurrenzsituation mit einem perfektionistischen Upper-Class-Roboterweibchen – die von ihr mitorganisierten Vorfeierrituale chaotisch aus dem Ruder laufen.
Ohne selbst seine eigenwilligsten Figuren wie die kernig polternde Megan (großartig: Melissa McCarthy) vorzuführen, steuert „Brautalarm“ derweil nicht nur pointiert durch auf die Spitze getriebene Fettnäpfchentretereien, herrlich hysterische Nervenzusammenbrüche und einen pubertären Kacka-Kotze-Exzess, der in diesem Kontext unerwartet lachtränentreibend funktioniert. Die Hauptdarstellerin und begnadete „Saturday Night Live“-Komikerin Wiig, die hier zudem als Drehbuchautorin fungiert, bringt auch die nötige Sensibilität für jene Momente mit, in denen der Film mühelos die Tonlage wechselt und das anrührende Porträt einer Thirtysomething-Vertreterin zeichnet, die noch nicht in ihrem Leben und der ausgemalten Zukunft angekommen ist. Trotz des hochverdienten Happy Ends wird „Brautalarm“ so zu einer gleichsam erwachsenen und selten ehrlichen Komödie, die aber vor allem eines ist: als geschlechterunabhängiges Chick Flick unendlich komisch.

Text: Sascha Rettig

Foto: Suzanne Hanover / Universal Studios

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Brautalarm“ im Kino in Berlin

Brautalarm (Bridesmaids), USA 2011; Regie: Paul Feig; Darsteller: Kristen Wiig (Annie), Maya Rudolph (Lillian), Rose Byrne (Helen); 125 Minuten; FSK 12

Kinostart: 21. Juli

Lesen Sie ein ausführliches Interview mit Kristen Wiig im aktuellen tip 16/11 auf den Seiten 36-38.

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