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„Briefe aus Chicago“ im Kino

Briefe_aus_ChicagoEin Film über Ulm, der in Chicago spielt. Lore und Gustav Frank, zwei deutsche Juden, emigrierten Ende der 30er Jahre vor der Rassenpolitik der Nazis aus ihrer schwäbischen Heimat und tragen diese seitdem als unzerstörbares Paradies im Herzen. Sibylle Tiedemann, die Lore 1998 während der Dreharbeiten zu „Kinderland ist abgebrannt“ kennengelernt hat, gibt in ihrer intimen Dokumentation „Briefe aus Chicago“ der genießerischen Eloquenz von Gustav, der zupackenden Gewitztheit von Lore viel Raum.

Jedes beiläufige Detail ihrer bescheidenen Wohnung atmet die besondere, spezifisch deutsche Geschichte; die Ruhe der beobachtenden Kamera lässt dem Betrachter Zeit, die Gegenstände und Gesten für sich zu lesen und dann wieder in das alltägliche Nebeneinander zurücksinken zu lassen. Dazwischen zitiert die Filmemacherin aus Briefen von altersweisem Witz und studiert Gustavs ambitioniertes hobbyfotografisches Werk, durch das die Vergangenheit zum sicheren Besitz wird, in unzähligen Kisten im Keller verstaut. Nach Ulm zurückkehren wollten die beiden nie.   

Text: Stella Donata Haag

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Briefe aus Chicago“ im Kino in Berlin

Briefe aus Chicago, Deutschland 2008; Regie: Sibylle Tiedemann; 71 Minuten; FSK k.A.

Kinostart: 20. Januar

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