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„Brighton Rock“ im Kino

Brighton Rock

Bandenkrieg in Brighton, Mitte der 60er-Jahre: Während auf der Strandpromenade Rocker und Mods gegeneinander antreten, versucht der Nachwuchsgangster Pinkie die kleine Truppe seines gerade ermordeten Bosses gegen die weit überlegene Gang von Mr. Colleoni in Stellung zu bringen. Mit der Verlegung von Graham Greenes 1938 erschienenem und spielenden Roman (deutsch unter seinem alten Titel „Am Abgrund des Lebens“ gerade neu aufgelegt) in diese Ära setzt Rowan Joffe eigenwillige Akzente, stellt Verbindungen her zwischen der Rebellion der Jugend und der individuell akzentuierten Gewalttätigkeit von Pinkie. Denn der ist, wie so viele der Protagonisten bei Greene, auch ein gläubiger Katholik, auch wenn er eher an die Hölle als den Himmel glaubt, wie er selber sagt.
Joffe, der hier als Regisseur sein Debüt gibt, zeigt Pinkies rasante Entwicklung vom Laufburschen zum kaltblütigen Mörder und Gangsterboss, Sam Riley („Control“) findet dafür in seinem Ausdruck die richtige Mischung aus Angst, Aufbrausen und Kälte. Die junge Kellnerin Rose, die ihn als Mörder identifizieren und damit an den Galgen bringen könnte, umgarnt und heiratet er, so muss sie schweigen. Aber diese Sicherheit geht ihm nicht weit genug.
Doch Rose hat einen Schutzengel in Gestalt ihrer energischen Chefin Helen Mirren. Unter all den souverän agierenden Darstellern (darunter Phil Davis, John Hurt und Andy Serkis) ist sie die Queen, ihr Alter formuliert zur Welt der Jungen einen Gegensatz, den der Film noch musikalisch akzentuiert.
Joffe (Sohn von Roland und selbst zuletzt als Drehbuchautor von „The American“ hervorgetreten) setzt eigene Akzente gegenüber der Romanvorlage, aber auch gegenüber der Erstverfilmung von 1947, in der Richard Attenborough Pinkie als das personifizierte Böse gab. Warum sein „Brighton Rock“ in seiner manchmal wahnwitzigen Mischung von Alt und Neu (in Colleonis Wohnzimmer steht etwa zwischen all den antik-zeitlosen Möbeln ein Sixties-Kunststoffsessel in Kugelform) allerdings das sarkastische Ende der Erstverfilmung exakt übernimmt, bleibt ein Rätsel. Die Düsternis von Graham Greenes Roman geht darin jedenfalls verloren.

Text: Frank Arnold

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Brighton Rock“ im Kino in Berlin

Brighton Rock, Großbritannien 2010; Regie: Rowan Joffe; Darsteller: Sam Riley (Pinkie), Andrea Riseborough (Rose),
Helen Mirren (Ida); 111 Minuten; FSK 16

Kinostart: 21. April

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