Western

„Brimstone“ im Kino

Adäquat dreckig: „Brimstone“ ist harte, kompromisslose Genreware

X-Filme

Eine Frau mit herausgeschnittener Zunge, ein Prediger mit dem Charisma eines Teufels, dazu Prostituierte, Schweine und allerhand Raubeine: Martin Koolhovens Western „Brimstone“ lässt es an nichts mangeln, was seit der realistischen Wende zum Genre dazugehört. Denn mit den Bemühungen um mehr Realismus, wie sie vor allen in der Serie „Deadwood“ zu erkennen waren, wurde der Western immer dreckiger.

Zuerst im buchstäblichen, und nun auch im übertragenen Sinn: „Brimstone“ führt in ­Abgründe, zu denen im Vergleich der Schweinekoben, der zwischendurch eine wichtige Rolle spielt, wie eine höhere Bildungsanstalt wirkt. Der bisher nicht allzu bekannte Niederländer Koolhoven erzählt in vier verschachtelten Teilen von einer jungen Frau, die mehr oder weniger aus der Wüste kommt: nahezu verdurstet wird sie aufgelesen und findet noch einmal ins Leben zurück. Es ist allerdings ein Leben, das man Gott lieber verschweigen würde.

Schritt für Schritt lässt „Brimstone“ klarer ­werden, was es mit dieser Liz (Dakota Fanning) auf sich hat, die zu Beginn bis ins Mark erschrickt, als in der kleinen Gemeinde in ­einem entlegenen Winkel des Wilden Westens ein neuer Reverend auftaucht. „Brimstone“ ist vor allem dramaturgisch vielleicht eine Spur zu sehr auf Effekt getrimmt, fesselt aber mit starken Schauspielern und der immer wieder brillant „mitspielenden“ Landschaft doch ­ungemein. Am Ende führt Martin Koolhoven ­geschickt den Schnee und das Wasser gegen die Gewalt ins Feld – ein Sieg der Moral wird daraus nicht, aber immerhin ein ästhetischer Erfolg.

Brimstone NL/GB/F/D/B/S 2016, 148 Min., R: Martin Koolhoven, D: Dakota Fanning, Guy Pearce, Carice van Houten, Kit Harington, Start: 30.11.

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