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„Broadway Therapy“ im Kino

Arnold Simmons ist ein Wohltäter. Gerade hat der erfolgreiche Theaterregisseur eine Nacht mit dem Escortgirl Izzy verbracht, da offeriert er ihr auch schon 30.000 Dollar, damit sie ihren Beruf aufgeben und stattdessen den Traum von einer Schauspielkarriere verwirklichen kann. Dass sie sich allerdings für eine Rolle in seiner nächsten Inszenierung bewirbt, wirft ihn dann doch aus dem Gleichgewicht. Izzy jedoch ist perfekt für die Rolle der Prostituierten, was nicht weiter überrascht.
Wird Arnold sein Geheimnis vor seiner Ehefrau verbergen können? Wem gehört die Zuneigung von Izzy wirklich? Werden die sexuellen Fantasien der Männer je in Erfüllung gehen? Oder werden ihnen die eigensinnigen Frauen einen Strich durch die Rechnung machen? Und können die Beteiligten das Geschehen auf der Bühne vom wirklichen Leben trennen?.
13 Jahre nachdem er in den Babelsberger Ateliers den Film „The Cat’s Meow“ drehte, konnte Peter Bogdanovich jetzt wieder einen Kinofilm realisieren. Zwischenzeitlich arbeitete er für das Fernsehen und stellte sein filmhistorisches Wissen in Dokumentationen  und Audiokommentaren für DVD-Editionen klassischer US-Filme unter Beweis. Man kann also durchaus von einem Comeback des einstigen Wunderkindes sprechen, das 1971 mit „Die letzte Vorstellung“ eine der schönsten Hommagen an das klassische Hollywoodkino inszenierte.  
Auch „Broadway Therapy“ huldigt dem klassischen US-Kino, speziell den Screwball-Komödien der 1930er- und 1940er-Jahre, die sich durch atemberaubendes Tempo und geschliffene Dialoge auszeichneten.
„Screwball ist ein amerikanisches Äquivalent zu den Farcen des französischen Autors Georges Feydeau: Wenn man eine Komödie wie diese schreibt, ist die einzige Person, die den Raum nicht betreten soll, genau diejenige, die ihn betritt“, erklärt Bogdanovich, auch mit 76 immer noch elegant und stets mit Halstuch auftretend.
Dass er sein Handwerk noch immer versteht, demons­triert er etwa mit der Szene in einem Lokal, in dem die acht Hauptfiguren des Films aufeinandertreffen und von den wechselseitigen Beziehungen erfahren. Da sitzt das Timing ebenso perfekt wie später bei einer Szene im Hotel, wenn die betrogene Ehefrau zuerst im Hotelzimmer ihres Möchtegernliebhabers eine andere Frau im Bad entdeckt und ihr dasselbe gleich darauf noch einmal mit ihrem Ehemann passiert. Den verkörpert Owen Wilson mit der ihm eigenen Lässigkeit, ein perfekter Charmeur, der durchaus Züge von Bogdanovich selbst trägt.
„Broadway Therapy“ ist auch ein New-York-Film, eine Stadt, zu der Bogdanovich eine besondere Beziehung hat: „Ich mag diese Stadt, ich bin dort aufgewachsen, sie ist einfach fotogen. Und da diese Geschichte mit dem Theater, dem Broadway zu tun hat, war dieser Schauplatz naheliegend. Es gab eine Zeit Ende der 60er-, Anfang der 70er-Jahre, wo mir die Stadt nicht so sehr behagte, aus den verschiedensten Gründen, aber vor allem, weil ich dort 1964 einen Flop am Theater hatte. Als ich dann 1980 dort „Sie haben alle gelacht“ drehte, verliebte ich mich von Neuem in die Stadt.“  
Mit „Broadway Therapy“ erfindet Bogdanovich das Kino zwar nicht neu, aber er knüpft an gute Traditionen an mit einem Film, der das Bewusstsein seiner eigenen Antiquiertheit durchaus in sich trägt. Auch das hat seine Berechtigung.

Text: Frank Arnold

Foto:
Wild Bunch Germany

Orte und Zeiten: Broadway Therapy

She’s Funny That Way (OT) USA/D 2014; R: Peter Bogdanovich; D: Owen Wilson (Arnold), Imogen Poots (Izzy), Jennifer Aniston (Jane); 94 Min.

Kinostart:
Do, 20. August 2015

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