Kino & Stream

Buchtipp: Haneke über Haneke

Michael Haneke

In der Geschichte des Schreibens über das Kino gibt es einen berühmten Interview-Band, in dem François Truffaut, Hauptvertreter der französischen Nouvelle Vague, den (vor allem von dieser) verehrten Meister Alfred Hitchcock befragte: „Wie haben Sie das gemacht?“ Dahinter steht eine Idee: dass in der Filmkunst die Interpretation immer eine materielle Pointe hat, ein konkretes, handwerkliches Element, etwas, was den Regisseur als steuernde Instanz in dem arbeitsteiligen Durcheinander einer Filmproduktion ausweist, als Urheber der Mise-en-scиne.
Zwei französische Akademiker haben nun mit Michael Haneke einen Gesprächsband vorgelegt, der sich deutlich an dem Hitchcock-Buch misst, den der Alexander Verlag aber klugerweise eher in den Zusammenhang der sehr nützlichen Werkauskünfte stellt, die bei Faber & Faber auf Englisch erscheinen („Schrader on Schrader“ wäre ein gutes Beispiel). Nach dem Siegeszug mit „Liebe“ ist ein guter Zeitpunkt für so eine Bilanz, die mit einem langen Atem bis an die biografischen Anfänge zurückgehen kann („Ich war ein Rebell …“) und ausführlich die noch nicht so bekannten Fernseharbeiten Hanekes vor 1989 (als er mit „Der siebente Kontinent“ im Kino debütierte) analysiert.
Danach geht es in dem angemessen umfangreichen Buch bis in die Gegenwart voran, Hanekes Opernarbeit kommt ebenso zur Sprache wie der Ausflug in den Experimentalfilm „Nachruf auf einen Mörder“. Und bei all dem steht immer die Vielschichtigkeit der Tätigkeit eines Regisseurs im Mittelpunkt: „Welche Wichtigkeit messen Sie der Farbkorrektur generell bei?“
Storyboards, Drehbuchseiten und (vor allem für die Frühzeit) interessante Fotos runden den Interview-Band ab.

Haneke über Haneke, Gespräche mit Michel Cieutat und Philippe Rouyer, Alexander Verlag, Berlin 2013, 410 Seiten, 38 Euro

Foto oben: Reinhold Göhringer

Haneke über Haneke

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