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Buster Keaton-Retrospektive im Babylon Mitte

Frozen North

Bereits im Alter von vier Jahren stand Buster Keaton auf der Vaudeville-Bühne, wo ihn sein Vater in Burlesken als „menschlichen Bohnerbesen“ verwendete: So entstand die artistische Körperbeherrschung des Komikers, die im Kino zur vollen Blüte kam, als Keaton zwischen 1920 und 1923 zunächst 19 Kurzfilme, ab 1923 bis 1928 dann regelmäßig zwei lange Spielfilme pro Jahr realisieren konnte. Da Keaton gewissermaßen als sein eigener Produzent fungierte und oft auch Autor und Regisseur seiner Komödien war, spiegeln die frühen Filme all seine Interessen exakt wider: die Vorliebe für Technik und gewagte Stunts, den permanenten Kampf mit der Tücke des Objekts (in „One Week“ versucht er, die falsch nummerierten Teile eines Fertighauses zusammenzusetzen) sowie die Thematisierung des Kinotraums – wie etwa in „The Frozen North“ (Foto), einer Parodie auf den Westernstar William S. Hart. In seinen langen Spielfilmen, darunter Meisterwerke wie „Our Hospitality“ (1923) und „The Navigator“ (1925), entwickelte Keaton schließlich ausgefeilte Dramaturgien, um Spielhandlung und Gags rhythmisch miteinander zu verzahnen – zweifellos hätte er auch einen exzellenten dramatischen Filmregisseur abgegeben. Eine umfassende Retrospektive der Stummfilme Buster Keatons (mit digitalen Kopien) zeigt nun das Babylon Mitte; vor allem auf die im Kino wenig gespielten Kurzfilme und die Live-Klavierbegleitung darf man sich freuen.

Text: Lars Penning

Foto: Lobster Films

Buster Keaton – Don’t Say ‚Cut‘ unless I’m Dead, Fr 20. bis So 29.7., Babylon Mitte

www.babylonberlin.de

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