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„Camp 14 – Total Control Zone“ im Kino

Camp 14 - Total Control Zone

Noch heute sollen Schätzungen zufolge weit über 150?000 nordkoreanische Bürger in Zwangsarbeitslagern nach stalinistischem Vorbild eingesperrt leben, wo sie unter Misshandlungen und Hunger leiden. Dong-hyuk Shin wurde als Sohn politischer Gefangener im Straflager geboren und musste zwölfjährig mit ansehen, wie die Mutter und ein Bruder wegen Fluchtvorbereitungen hingerichtet wurden – er selbst hatte sie angezeigt. Mit 14 kam Dong-hyuk für sieben Monate ins Lagergefängnis und erlitt Foltern, mit 23 gelang ihm 2005 die Flucht. Er schlug sich über die Grenze zu China als Wanderarbeiter bis nach Shanghai durch, wo die südkoreanische Botschaft ihm die Ausreise nach Seoul ermöglichte.
Der US-Journalist Blaine Harden hat die Geschichte des Nordkoreaners im inzwischen auch auf Deutsch erschienenen Buch „Flucht aus Lager 14“ aufgearbeitet, nun zeigt ein mit viel Geduld aufgezeichnetes Porträt im Kino, wie Dong-hyuk Shin seine erschütternden Erinnerungen mit oft stockender Stimme selber vor der Kamera schildert. Szenen aus dem Lagerleben werden mittels Animationsfilm dargestellt. Zudem kommen zwei Täter zu Wort – schockierend auch ihre Auskünfte. Freimütig berichtet ein ehemaliger Lageraufseher, der sich nach Südkorea abgesetzt hat, dass er ohne Schuldbewusstsein Häftlinge gequält und getötet hat. Darunter eine Frau, die nach erzwungenem Sexualverkehr schwanger wurde. Für Hinrichtungen gab es eine Sonderration Fleisch und Schnaps.
Was treibt einen einstigen Menschenschinder zu so einem öffentlichen Geständnis? Druck von Seiten südkoreanischer Geheimdienstler, um Agitation gegen das nordkoreanische Regime zu betreiben? Fraglich auch, ob die hier präsentierten Amateuraufnahmen von Misshandlungen im Camp authentisch sind. Man sollte nicht vergessen, dass bis Mitte der 1980er-Jahre auch in Südkorea ein Gewaltregime herrschte, das Folter bei Verhören sanktionierte. Doch angesichts der Tatsache, dass weltweit noch immer Menschen im Namen der Staatsräson Gewalt angetan wird, in Weißrussland und anderswo, gewinnt dieser Film eine Bedeutung, die über das dargestellte Einzelschicksal hinausweist.

Text: Ralph Umard

Foto: Engstfeld Film GmbH / Real Fiction Filmverleih

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Camp 14 – Total Control Zone“ im Kino in Berlin

Camp 14 – Total Control Zone, Deutschland 2012; Regie: Marc Wiese; 105 Minuten; FSK 12

Kinostart: 8. November

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