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Cannes: Wettbewerbsfilme stehen fest

Andreas DresenDer österreichische Regisseur Markus Schleinzer hat es mit seinem selbst verfassten Debütfilm „Michael“ in den Wettbewerb des 64. Festival de Cannes geschafft. Es handelt sich bei dem Drama über die letzten Monate des unfreiwilligen Zusammenlebens eines Zehnjährigen mit einem 35-jährigen Mann um eine Produktion der Nikolaus Geyrhalter Filmproduktion, die zuvor mit „Der Räuber“ in Berlin gelaufen war. Michael Fruith und Gisela Salcher spielen die Hauptrollen. Regisseur Schleinzer ist indes kein unbeschriebenes Blatt: Er ist in Österreich einer der renommiertesten Caster und zeichnet seit 15 Jahren für die Besetzung von Filmen wie „Silentium“, „Lourdes“, „Slumming“ oder eben „Der Räuber“ verantwortlich.
Zudem sind vier weibliche Regisseure im Wettbewerb des 64. Festival de Cannes vertreten. Sie gesellen sich zu Regulars wie den Brüdern Dardenne, Nanni Moretti, Aki Kaurismäki, Pedro Almodovar, Nuri Bilge Ceylan und Lars von Trier. Kein deutscher Filmemacher schaffte es in den Wettbewerb, dafür ist Andreas Dresen nach „Wolke Neun“ vor zwei Jahren mit „Halt auf freier Strecke“ erneut in Un Certain Rйgard vertreten. Allerdings handelt es sich bei von Triers „Melancholia“ wie zuletzt auch „Antichrist“ um eine deutsche Koproduktion.
Auffällig ist zudem die schwache Präsenz amerikanischer Filme: Terrence Malicks „The Tree of Life“ – eine US-französische Koproduktion – ist mit dabei, wie auch der Actionfilm „Drive“ mit Ryan Gosling, den allerdings der Däne Nicolas Winding Refn realisierte, der erstmals im Wettbewerb in Cannes antritt. „Pirates of the Caribbean – Fremde Gezeiten“ und Jodie Fosters „Der Bieber“ laufen außer Konkurrenz. Woody Allen steht mit seinem Eröffnungsfilm „Midnight in Paris“ bereits seit Wochen fest.
Bei den vier Filmen der Filmemacherinnen handelt es sich um „Hanezu No Tsuki“ der in Cannes bereits bekannten Japanerin Naomi Kawase, „Sleeping Beauty“ von der Debütantin Julia Leigh, „Polisse“ von der Französin Maiwenn und „We Need to Talk About Kevin“ mit Tilda Swinton, mit der Lynne Ramsay nach neunjähriger Leinwandabsenz zurückkehrt und nach zwei Filmen in Un Certain Rйgard („Ratcatcher“, „Morvern Callar“) erstmals um eine Goldene Palme kämpft.
Neben „Polisse“ finden sich mit „L’Apollonide – Souvernirs de la maison Close“ von Bertrand Bonello und Alain Cavaliers „Pater“ zwei weitere fanzösische Produktionen im Wettbewerb. Das japanische Enfant terrible Takashi Miike ist mit „Ichimei“ erstmals vertreten, während Paolo Sorrentino nach dem Gewinn des Regiepreises vor drei Jahren mit „Il divo“ heuer mit „This Must Be the Place“ zurückkehrt. Das rumänische Kino ist vertreten mit „La source des femmes“ von Radu Mihaileanu. Joseph Cedars „Hearat Shulayim“ komplettiert die Liste.
Die Filmfestspiele in Cannes finden in diesem Jahr vom 11. – 22. Mai statt.

Quelle: Blickpunkt:Film

Foto: Petr Novбk, Wikipedia

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