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Carlos Reygadas’ „Stellet Licht“

Stellet LichtEin Mann liebt eine Frau. Aber er ist Familienvater und mit einer anderen verheiratet, die er ehrt, und die Gemeinschaft im Norden Mexikos, wo er als Farmer lebt, ist religiös geprägt, einer Minderheit zugehörig – Mennoniten, die Plautdietsch sprechen, eine dem Holländischen verwandte Sprache. Das ist die Ausgangssituation von Carlos Reygadas’ Film, der 2007 in Cannes den Jurypreis gewann. Eine Liebesgeschichte.
„Stellet Licht“ erzählt vom überwältigenden Wirken dieser Liebe auf die Gefühlswelt des Farmers und von Zweifel und Skepsis an ihrem Existenzrecht vor dem Hintergrund von Familie, Tradition, Religion. Der Darsteller des Mannes, dem diese Liebe zustößt, Cornelio Wall, zeigt all diese Facetten in eindringlich zurückhaltendem Spiel. Wie die anderen Schauspieler stand er hier zum ersten Mal vor einer Kamera. Gecastet wurden sie in mennonitischen Gemeinden in Europa und Amerika. Ihr Ausdruck wirkt bisweilen schüchtern und zurückgenommen, ihre Präsenz ist ernsthaftig und ergreifend. Das liegt auch an dem szenischen Raum, den Reygadas’ Inszenierungsstil ihnen lässt. Der Film erzählt seine Geschichte in wenigen langen, bisweilen installativ wirkenden Sequenzen, in denen die Gesichter, Gesten, Körper und Haltungen der Darsteller eindringlich zum Vorschein kommen.
In aufgeladenen, teilweise erhaben wirkenden, teilweise skizzenhaften, teilweise dynamisch bewegten Cinemascope-Bildern, deren Gewaltigkeit manchmal an Terrence Malicks Filme erinnert, lässt „Stellet Licht“ dabei die erwartbaren dramaturgischen Verwicklungen einer konventionellen Dreiecksgeschichte weit hinter sich.

Lesen Sie den vollständigen Artikel in tip 08/09 auf Seite 39.

Text: Michael Baute

tip-Bewertung: Herausragend

Stellet Licht, Mexiko/Frankreich/Niederlande 2007; Regie: Carlos Reygadas; Darsteller: Cornelio Wall (Johan), Maria Pankratz (Marianne), Miriam Toews (Esther); 145 Minuten

Kinostart: 2. April 2009

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