Kino & Stream

„Cars 2“ im Kino

Cars 2

Willkommen in den Parallelwelten von Pixar. Auch in ihrem 25. Jahr entführt uns die kalifornische Animationsschmiede in eine faszinierende fremde Welt. Diesmal bekommen wir es nicht mit einer zu tun, die verborgen neben der menschlichen Welt existiert, sondern mit einer, die an ihre Stelle getreten ist: Im Universum der „Cars“ existieren ausschließlich Autos, die sich selbst steuern und Gefühle haben wie Menschen.
„Cars“ erzählte im Jahr 2006 vom Rennwagen Lightning McQueen, von seiner Liebe zu Sally und von seinem besten Freund, dem rostigen Abschleppwagen Hook. Angesiedelt in der amerikanischen Kleinstadt Radiator Springs war das eine nostalgische Erinnerung an eine vergangene Ära, eine ganz persönliche Geschichte für Regisseur John Lasseter, dessen Vater in der Autobranche tätig war und der selber ein großes Faible für Autos hat.
John Lasseter„Cars 2“ allerdings unterscheidet sich beträchtlich von seinem Vorgänger, schlägt einen ganz anderen Tonfall an, was für eine Fortsetzung allemal ungewöhnlich ist. Aus der überschaubaren Welt von Radiator Springs führt er in die große weite Welt der internationalen Automobilrennen – nach Tokio, nach Paris, an die italienische Riviera und nach London. „Eine Fortsetzung gibt es bei Pixar nur, wenn die Story stimmt“, sagt Pixar-Chef John Lasseter. Dass er den Abschleppwagen Hook diesmal zur eigentlichen Hauptperson der Geschichte gemacht hat, hat ebenfalls persönliche Gründe – bei einem Empfang in Rom war Lasseter in seinem gewohnten Hawaiihemd gekommen und fühlte sich ähnlich deplatziert wie der gutmütige, naive Provinzler, der noch nie seine Heimat verlassen hat. Der soll in „Cars 2“ Lightning endlich einmal begleiten in die große weite Welt. Dem ist er natürlich nicht gewachsen und tritt in jedes erdenkliche Fettnäpfchen.
„Cars 2“ ist darüber hinaus auch eine Hommage an den Agentenfilm der 1960er-Jahre: Hook wird für einen amerikanischen Agenten mit der besonders raffinierten Tarnung des naiven Provinzlers gehalten und erlebt mit den britischen Geheimagenten Holley Shiftwell und Finn McMissile die verrücktesten Abenteuer. Dabei geht es ebenso temporeich wie lautstark zu, das macht den Film für diejenigen, die die Langsamkeit des Vorläufers und den dialoglosen Auftakt von „Wall-E“ schätzen, gewöhnungsbedürftig – auch wenn die Detailfreude des Films erneut Vergnügen bereitet: Achten Sie auf das Papstmobil.
Cars 2Wer die „Toy Story“-Figuren vermisst, der kommt bei dem hinreißenden Vorfilm  „Hawaiian Holiday“ auf seine Kosten, in dem sie wieder auftauchen. „Kurzfilme sind das eigentliche Vergnügen für einen Animationsfilmer“, so Lasseter. „Da hat man relativ schnell ein fertiges Produkt. Bei Pixar bieten wir seit einigen Jahren eine Summer School an, um dem Nachwuchs eine Chance zu geben. Daraus entstand auch die Kurzfilmreihe ‚Hooks unglaubliche Geschichten‘. Beim letzen Mal hatten wir fast 20?000 Bewerbungen. Es ist mittlerweile schwieriger, bei Pixar einen Platz zu bekommen als in Harvard“, sagt Lasseter mit berechtigtem Stolz. Zum Interview erscheint er im vertrauten Hawaiihemd, diesmal ein dunkelblaues mit den Autos aus „Cars 2“ darauf, das Image des Kind gebliebenen Mannes unterstreichend. „Meine Frau Nancy sagt immer, eigentlich habe sie nicht fünf Kinder, sondern sechs“ lacht er. „Er ist gut im Delegieren, er vertraut seinen Mitarbeitern“, verrät Produzentin Denise Ream, die John Lasseter auf seiner Promotion-Tour begleitet. Das muss er wohl auch, denn schließlich muss er auch noch ein Auge auf die sonstigen Disney-Produktionen haben. Da verspricht er mit dem mittelalterlichen „Brave“ eine weitere starke Heldin, will auch – trotz des Misserfolges von „Küss den Frosch“ – den traditionellen Zeichentrickfilm weiter beleben und gibt die Hoffnung nicht auf, dass Brad Bird und Andrew Stanton nach ihren gegenwärtigen Realfilmen wieder für Pixar tätig werden.

Text: Frank Arnold

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Cars2“ im Kino in Berlin

Cars 2, USA 2011; Regie: John Lasseter; Stimmen OF: Larry the Cable Guy (Mater), Owen Wilson (Lightning McQueen), Michael Caine (Finn McMissile); 107 Minuten; FSK 0

Kinostart: 28. Juli

Mehr über Cookies erfahren