Filmsatire

„Casting“ im Kino

Die Anspielwurst – Wer bekommt die weibliche Hauptrolle beim Casting?

Foto: Piffl Medien

In dem Film „Die bitteren Tränen der Petra von Kant“ kann man die Psychoästhetik von ­Rainer Werner Fassbinder sehr gut erkennen: ein Kammerspiel um wechselseitige Erniedrigungen in einer theatralischen Wohnumgebung. Wie würde so ein Film heute aussehen, und wie kann man das Erbe Fassbinders antreten, ohne sich in Nachahmung zu erschöpfen?

Diesen Fragen widmet sich Nicolas Wackerbarth in „Casting“. Für die Hauptrolle der ­Petra von Kant sprechen eine Reihe von Schauspielerinnen vor, alle gehören in ihrem Metier zur ersten Liga: Corinna Kirchhoff, Andrea ­Sawatzki, Ursina Lardi. Dazu gibt es einen Anspielpartner, verächtlich wird dieser Gerwin (Andreas Lust) auch „Anspielwurst“ genannt. Er rückt zunehmend ins Zentrum, während sich allmählich das ganze Drumherum eines typischen deutschen Films entfaltet, bei dem es ja auch darum geht, Redakteure zu besänftigen, Eitel­keiten zu befriedigen und aus einem Team das Bestmögliche herauszuholen.

Nicolas Wackerbarth hat „Casting“ mehr oder weniger mit den Darstellern erfunden, der Film beruht auf gemeinsamer Improvisation. Das Ergebnis zählt zum Besten, was es seit längerer Zeit im Deutschen Kino zu sehen gab: ein ­Befreiungsschlag, und zugleich eine kluge, auch kritische Hommage an Rainer Werner Fassbinder.

Casting D 2017, 94 Min., R: Nicolas Wackerbarth, D: Andreas Lust, Judith Engel, Milena Dreißig, Corinna Kirchhoff, Start: 2.11.

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