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„C\est la vie“ im Kino

Popularität und Qualität gehen hier aufs Schönste zusammen. Rйmi Bezançons Familienchronik war in Frankreich nicht nur ein großer Kassenerfolg, sondern wurde bei den Cйsar-Festivitäten mit drei nationalen Filmpreisen bedacht. Mit Sensibilität und Beobachtungs­gabe erzählt „C’est la vie“ die Geschichte einer ganz normalen französischen Durchschnittsfamilie, deren drei Kinder sich anschicken, das Haus zu verlassen. In fragmentarischen Rück­blenden werden die vergangenen gemeinsamen Jahre eingefangen – da sind die in Fotos demonstrativ festgehaltenen Momente von Familienglück, aber auch die verborgenen Verletzungen, kleinen Geheimnisse und Versuchungen, die Adoleszenzkrisen der heranwachsenden Kinder und die Midlife-Crisis der Eltern.
Neben den hervorragenden Schauspielern liegt die Qualität des Films in seiner Erzählstruktur, die auf überzeugende Weise eine Zeitspanne von zwölf Jahren anhand von fünf Tagen zusammenfasst, an denen jeweils ein einschneidendes Erlebnis passiert – und so den ersten Tag vom Rest des Lebens markiert, wie der Originaltitel des Films suggeriert.
Bezançon beweist, dass es durchaus möglich ist, erfolgreiche Qualitätsfilme zu machen. Da kann man auch großzügig über einige Klischees und Schwächen eines manchmal zu offenkundig durchkonstruierten Drehbuchs hinwegsehen und lässt sich nostalgisch bewegt zu einer von David Bowie und Lou Reed untermalten Familienreise mitnehmen.

Text: Barbara Lorey

tip-Bewertung: Sehenswert

C’est la vie (Le premier jour du rest de ta vie), Frankreich 2008; Regie: Rйmi Bezançon; Darsteller: Jacques Gamblin (Robert), Zabou Breitman (Marie-Jeanne), Dйborah François (Fleur); Farbe, 112 Minuten.

Kinostart: 23. April 2009

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