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Dokumentarfilm

„Chance 2000 – Abschied von Deutschland“ im Kino

2017 hat Mutti Merkel es geschafft: Das Land ist totalsediert, nie gab es einen langweiligeren Bundestagswahlkampf. Einer wie Christoph Schlingensief könnte da nicht schaden

Foto: Filmgalerie 451

1998, als die Frage war, ob Endloskanzler Kohl weiterregieren kann oder ihn Gerhard Schröder als Hoffnungsträger (ja, wirklich!) ablöst, startete das Berufs-Enfant terrible zusammen mit der Berliner Volksbühne sein Projekt „Chance 2000“. Was als „Wahlzirkus“ in einem Zelt im Berliner Prater begann, mauserte sich zu einer echten (Protest-) Partei, die allen voran Arbeitslose, Behinderte und andere Benachteiligte ansprechen wollte und in den meisten Bundesländern auf dem Wahlzettel stand.

Über 100 Stunden von Schlingensiefs nachgelassenem Videomaterial wurden nun digitalisiert. Eine Auswahl davon montierten Katrin Krottenthaler und Frieder Schlaich in chronologischer Reihenfolge, ohne Kommentar oder zusätzliche Erläuterungen. Dafür samt einiger Talkshowauftritte des 2010 Verstorbenen und mit Geschehen von eher begrenztem Unterhaltungs- oder Erkenntniswert wie Formalitäten auf dem Gründungsparteitag oder das Sammeln von Unterstützerunterschriften.

Einmal sagt Schlingensief, Triebfeder für sein Theater und Wirklichkeit vermischendes Projekt wäre sein Frust darüber, für wie wichtig sich alle im realitätsfernen Bühnenbiotop halten und wie wenig man dort bewirkt. Ob er mit „Chance 2000“ irgendetwas verändert hat oder (wieder) nur als Hofnarr fungierte, kann nun auch anhand dieser Dokumentation diskutiert werden. Jan Gympel

Chance 2000 – Abschied von Deutschland D 2017, 125 min, R (Zusammenstellung): Kathrin Krottenthaler, Frieder Schlaich, Kinostart: 7.9.

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