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„Chaostage“ im Kino

ChaostageStraßenschlachten in der Nordstadt, 180 Verletzte, 220 Anklagen wegen verschiedenster Delikte und ein geplünderter Supermarkt – das war die Bilanz der Chaostage, die Hannover im August 1995 in einen Ausnahmezustand versetzten.
Moses Arndt, als ehemaliger Herausgeber des „Zap“-Fanzines eine der zentralen Figuren der deutschen Punk- und Hardcoreszene, verarbeitete die Ereignisse des Krawallsommers seinerzeit zu einer überdrehten Romankolportage, in der geprügelt, gevögelt und gekotzt wird, was das Zeug hält. Tarek Ehlail und Matthias Lange haben aus diesem Buch nun einen Film gemacht, den man als Antwort auf Lars Jessens lahme Adaption von Rocko Schamonis Jugenderinnerungen „Dorfpunks“ lesen könnte: Während sich Jessen der Mitteln des klassischen Coming-of-Age-Dramas bedient, wollen Ehlail und Lange den juvenilen Trotz und die Energie des Punk mit einer Collage aus kruden Spielszenen und Veteranen-Interviews heraufbeschwören. Leider funktioniert das Ergebnis weder als Dokumentation noch als Drama: Die Spielszenen bleiben episodenhaft und zusammenhanglos; die Äußerungen der Interviewpartner schwanken zwischen Nostalgie und Renitenz – und tragen damit eher dazu bei, die Subversionskraft des Punk in historische Ferne zu rücken, als sie zu vergegenwärtigen. Ex-Rotzlöffel Moses Arndt lebt heute übrigens als Arzt im Saarland. Er hat sich auf das Entfernen von lästig gewordenen Tätowierungen spezialisiert.

Text: Heiko Zwirner

tip-Bewertung: Uninteressant

Chaostage, Deutschland 2008; Regie: Tarek Ehlail, Matthias Lange; Mitwirkende: Christoph Letwoskie, Ulrich Fassnacht, Henriette Müller; Farbe, 90 Minuten

Kinostart: 30. April 2009

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