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„Charlotte Rampling – The Look“ im Kino

Charlotte Rampling - The Look

Schauspieler ziehen die Blicke auf sich, das macht einen nicht geringen Teil ihrer Attraktion aus. Dieser Dokumentarfilm dreht den Spieß um, er gibt der Schauspielerin, von der er handelt, die Hoheit über den Blick. Immer wieder zeigt er Charlotte Rampling mit einer Kamera, wobei paradoxerweise auch zweimal ein Fotograf ihr Gegenüber ist. Und wenn sie in einem Pariser Park auf eine Gruppe von Rentnern zugeht, dann wirkt das wie eine Szene in Woody Allens „Purple Rose of Cairo“, in der ein Schauspieler plötzlich von der Leinwand heruntersteigt. Vom ersten Augenblick an macht Angelina Maccarones Film deutlich, dass dieses Schauspielerporträt anders funktioniert als andere.
Dieses „Selbstporträt durch andere“ (so der Untertitel) besteht aus neun Kapiteln, acht davon sind Begegnungen und Gespräche der Schauspielerin mit Menschen, die ihr nahestehen. Jedes der Gespräche kreist dabei um ein einziges Thema. Mit dem Fotografen Peter Lindbergh spricht sie über „Exposure“ (also sich dem Blick aussetzen), mit seinem Kollegen Jürgen Teller über Tabus, mit dem Schriftsteller Paul Auster über das Altern. Jedes der Gespräche verknüpft sich mit Ausschnitten aus einem einzigen Film, auf den im Dialog assoziativ Bezug genommen wird. „Tabu“ könnte man als den zentralen Begriff des Films sehen, denkt man an Ramplings hier angesprochene Rollen: in Nagisa Oshimas „Max mon amour“ (wo sie sich einen Schimpansen als Liebhaber nimmt), in Laurent Cantets „In den Süden“ (als Sextouristin) und natürlich in Liliana Cavanis „Der Nachtportier“ (als KZ-Insassin, die Jahre später eine Affäre mit ihrem Peiniger beginnt). Vor allem letztere Rolle brachte ihr zahlreiche Anfeindungen ein. „Die Unterhaltungsseite des Kinos“ habe sie damals nicht interessiert, betont Rampling, eine Frau, die in ihren Rollen immer wieder Grenzen überschreitet.
Im Kino der Gegenwart ist sie so präsent, dass man darüber leicht vergisst, dass sie schon fast ein halbes Jahrhundert vor der Kamera steht. Nach diesem Porträt, das sich durch Konzentration, Verdichtung und den Mut zur Lücke auszeichnet, wird man ihre Filme mit geschärftem Blick sehen.

Text: Frank Arnold

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Charlotte Rampling – The Look“ im Kino in Berlin

Charlotte Rampling – The Look, Deutschland 2011; Regie: Angelina Maccarone; 98 Minuten; FSK 12

Kinostart: 20. Oktober

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