Biopic

„Chavela“ im Kino

Chavela feiert eine ungewöhnliche Künstlerin

Foto: Chavela

Die Geliebte von Frida Kahlo, die Muse von Pedro Almodóvar und auch noch „die größte Sängerin Lateinamerikas“ – der Verleih von „Chavela“ dreht auf mit Namedropping und Superlativen, um den ersten Dokumentarfilm über die mexikanische Sängerin Chavela Vargas zu bewerben.

Da tut er gut dran, denn im Vergleich etwa zu Mercedes Sosa, dem argentinischen Everybody‘s Darling der weltweiten Folk-Szene, ist die 2012 verstorbene Mexikanerin hierzulande kaum bekannt und dazu noch eine Künstlerin mit allen nur denk­baren Ecken, Kanten und biografischen Brüchen.

Die gebürtige Costa Ricanerin eroberte das Mexiko der 1950er-Jahre mit ihrer Interpretation von Rancheras, ­wehmütig vorgetragenen Liebesliedern, in denen bis dahin ausschließlich die Señores die Señoritas anhimmelten oder verfluchten. Als sie sich 2000 im zarten Alter von 81 als lesbisch outete, machte das ihre Versionen der Rancheras extra prickelnd. Damit beendete sie alle Gerüchte, die sich zeitlebens um sie rankten und die sie auch stets gerne selbst mit ihrer bevorzugten Mode (Männerklamotten), ihrem favorisierten Lebensstil (Tequila und Zigarren) und heißen Liebesaffären (Frida Kahlo) befeuerte.

Der Film „Chavela“ basiert – neben gefühlt leider zu wenig altem Archiv-Filmmaterial von ihr – im Wesentlichen auf einem bereits 1991 von der Regisseurin Catherine Gund geführten Interview mit Vargas, in dem sie vor Lebenslust nur so sprudelt. Das war kurz nach ihrem Comeback, ihrer Rückkehr aus einem jahrelangen tiefen Loch aus Armut, Einsamkeit und Alkoholabstürzen, in dem sie drohte, in völlige Vergessenheit zu geraten. Trotz manch dramaturgischer Schwächen ist ­„Chavela“ eine verdiente Hommage an eine tolle Frau, vor der man den Sombrero ziehen muss.

Chavela USA 2017, 90 Min., R: Catherine Gund, Daresha Ky, Start: 17.8.

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