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Musikdokumentation

„Chilly Gonzales – Shut Up and Play the Piano“ im Kino

Chilly Gonzales Anfang der 2000er in Berlin als Sidekick von Peaches oder solo als rappender „The Worst MC“: Das war die Explosion eines neuen Electro-Sounds und live ein Spiel mit sexuellen Identitäten, mit dem Peaches und Gonzales nach ihrem Umzug von Kanada nach Berlin die damalige Club-Subkultur prägten.

Nina Rhode

Philipp Jedicke hat für seinen Dokumentarfilm über Chilly Gonzales (Foto) tolles Archivmaterial aus dieser Zeit ausgegraben, dazu beeindruckende Aufnahmen schriller Performances von Peaches und Gonzales im Montreal-Underground der 90er-Jahre. Der Film überhöht ­diese Jahre aber nicht zu sehr, denn in der Tat waren sie in der musikalischen Vita und als ­Lebensstation des rastlosen Gonzales nur eine kurze Episode.

Noch während er sich als Präsident des Berliner Undergrounds selbst abfeiern ließ, begann er 2004 sich seinem Lieblingsinstrument, dem Piano, zu widmen. Jedicke tut gut daran, Gonzales’ musikalischen Werdegang chronologisch abzuarbeiten, denn ein Film über ­Chilly Gonzales dreht sich quasi von selbst. Die ­größte Herausforderung dürfte es gewesen sein, den Ego-Entertainer im Zaum zu halten. Trotzdem bringt die gnadenlose Rampensau Gonzales auch hier mit seinen Performances und Wortschwällen die Leinwand zum Bersten. Wohl eher unbeabsichtigt zeigt der Film dabei die Achillesferse des aktuellen Künstlers Gonzales: Zwar mischt der immer noch locker jeden seriösen Konzertsaal auf, läuft aber auch ein wenig Gefahr, zum Pausenclown der ­bürgerlichen Hochkultur zu werden.

Shut Up and Play the Piano D/GB 2018, 82 Min., R: Philipp Jedicke, Start: 20.9.

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