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"Chrieg" im Kino

"Chrieg" im Kino

Matteo und sein Vater, das ist eine schwierige Geschichte. Der Junge braucht therapeutische Hilfe, allerdings ist das, was ihm in Simon Jaquemets "Chrieg" als solche angeboten wird, nicht unbedingt ideal. Denn aus einem Bootcamp kommen ja doch meistens nur verhärtete Existenzen heraus, vor allem wenn es eines ist, das "eigentlich für schwerere Fälle" gemeint ist.
Matteo kommt in eine Gruppe in den Bergen, bei einem Bauern, der die jungen Leute meistens allein lässt. Sie machen also mehr oder weniger unter sich aus, was sie für richtig halten, bei Mutproben auf einem extrem hohen Seilbahnmasten zum Beispiel, in der wohl spektakulärsten Szene dieses Films.
"Chrieg" gibt sich den Anschein einer Sozialstudie, eine Art "Herr der Fliegen" in den Alpen, mit ein paar ungebärdigen Jugendlichen, die Simon Jaquemet bei einem Straßencasting in Zürich gesucht hat. Der zwiespältige Eindruck, der sich dabei einstellt, beginnt eigentlich schon mit dem ersten Bild, einem sorgfältig komponierten Familientableau, der Vater und der Sohn sitzen einander gegenüber wie bei einem Duell, im Hintergrund weniger deutlich die fette Mutter mit einem Baby.
Zwischen Stilisierung und Unmittelbarkeit sucht Simon Jaquemet nach einer Form für eine Erzählung, die von extremen Sozialisationserfahrungen in einem nur dem Klischee nach blitzsauberen Land erzählen soll, die dabei aber selten einmal einen überzeugenden Zugang zu den Protagonisten findet.

Text: Bert Rebhandl

Foto: Picture Tree

Orte und Zeiten: Chrieg

Chrieg CH 2014, 108 Min., R: Simon Jaquemet, D: Benjamin Lutzke, Ella Rumpf, Ste, Sascha Gisler

?Kinostart: Do, 28. April 2016

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