Drama

Chris Brügges „37“ im Kino

Drohendes Unwetter: In „37“ spielt sich das Drama auf der Metaebene ab

Filmperlen

In seinem Langfilmdebüt von 2014 erzählt ­Regisseur Chris Brügge aus dem Leben eines Twenty-Somethings, das sich gerade auf Betriebstemperatur einpegelt: Marc hat guten Kontakt zur Familie, seit Kurzem eine Freundin und wenn es ihm in Berlin zu trubelig wird, fährt er zum Surfen an die Ostsee. So weit, so unauffällig – klar ist immer Poten­zial nach oben, aber auch nach der ­Hälfte des Films will sich kein so rechter Zielkonflikt ergeben – etwaige Konflikte lösen die blass gezeichneten Figuren einvernehmlich beim Familienrat im Brandenburger Forst.

Zu jedem Drama gehört aber ein Unwetter. Und nach und nach breitet sich tatsächlich eine ­Ahnung aus, dass der augenscheinlichen ­Idylle eine faule Note anhaftet – die zunächst pathetisch wirkenden Monologe werden zunehmend rätselhafter, die ohnehin abrupten Szenenwechsel driften ins Bipolare und entwickeln schließlich Momente eines Fieberwahns. Zwischendurch richtet sich der Blick immer wieder auf die ungeheuerlichen Veränderungen, die unser Weltklima bedrohen – diese Thematik durchzieht den Film in wieder­kehrenden ­Andeutungen – unterfüttert mit gelungenen Landschaftsaufnahmen.
Auch wenn sich der Kreis der Handlung am Ende des Films doch noch schließt, liegen die Details über das Schicksal des Protagonisten im Auge des Betrachters – die wenigen ­Hinweise lassen aber schlussfolgern, dass sich ein Leben bis in die Grundfesten erschüttert. Passend dazu hat Brügge für die Dreharbeiten Berliner Ruinen und andere Schauplätze mit hohem Symbolcharakter gewählt – Panoramen, die offensiv zur meditativen Einkehr laden.

37 D 2014, 90 Min., R: Chris Brügge, D: Alexander Milo, Mette Lysdahl, Jeff Zach, Start: 15.2.

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