Biopic

„Churchill“ im Kino

Gegen die Über­zeugung: Brian Cox als knurriger Premier Winston Churchill

SquareOne/ Universum

Die Auseinandersetzungen zwischen dem britischen Premier Winston Churchill und der alliierten Generalität im Vorfeld der Landung in der Normandie im Juni 1944 war einer der Wendepunkte des 2. Weltkriegs. Jonathan Teplitzkys „Churchill“ erzählt hiervon handwerklich solide, Brian Cox ist in der Titelrolle angemessen knurrig; Miranda Richardson überzeugt als treusorgend-selbstbewusste Gattin Clementine, die den egomanischen Silberrücken in Schach hält – mit Dialogen, so geschliffen wie die reichlich genutzten Whisky­gläser.

Der Politiker gehört zum festen Personenkreis des britischen Zeitgeschichts-Genres, im Vergleich wird die Schwäche des Films klar: Sein Kern ist ein persönlicher Konflikt – das schmerzhafte Loslassen von einem über Jahrzehnte etablierten Selbstbild. Denn im Grunde geht es um die Weigerung Churchills, gegenüber den jüngeren Generälen seine Rolle als Politiker und damit als Zivilist zu akzeptieren. Überzeugender hat zuletzt die Netflix-Serie „The Crown“ den Generationenkonflikt zwischen Churchill und der jungen Elizabeth II. mit der Dynamik zwischen demokratischer und dynastischer Macht verbunden.

Was in verrauchten Kabinetten, auf Landsitzen und während langer Autofahrten durch verregnete englische Landschaften beobachtet wird, ist die Genese eines neuen Heldentypus: ­Gefeiert wird der Heroismus, auch gegen persönliche Überzeugung seine Aufgabe zu erfüllen. Damit ist der Film ein perfekt getimtes Verhaltensbrevier für die ursprünglich EU-freundliche Premierministerin Theresa May. Der wichtigste Tipp: immer einen doppelten Scotch in Reichweite haben.

Churchill GB 2017, 98 Min., R: Jonathan Teplitzky, D: Brian Cox, Miranda Richardson, John Slattery,
Ella Purnell, James Purefoy, Start: 25.5.

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