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„Cinema from Hong Kong“ im Arsenal

Wie wohl keine zweite Kinematografie der Welt steht jene Hongkongs für dynamisches, innovatives Genrekino. Hier etablierten sich in den Fünfzigern die Shaw Brothers, wirkte in den Siebzigern Bruce Lee, entstanden in den Achtzigern John Woos Heroic-Bloodshed-Epen, hier nahm Wong Kar-wais Karriere ihren Ausgang, drehte Tsui Hark „Peking Opera Blues“ und Ching Siu-tung „A Chinese Ghost Story“. Und auch wenn die Anzahl der Spielfilmproduktionen seit der Rückgabe der britischen Kronkolonie an die Volksrepublik China 1997 signifikant zurückging, entstehen doch nach wie vor bedeutende Werke unter namhafter Regie. Überzeugen kann man sich davon vom 21. bis 31. Mai im Arsenal, das in Zusammenarbeit mit dem Wirtschafts- und Handelsbüro Hongkong in Berlin (HKETO Berlin) aktuelle Produktionen aus der Sonderverwaltungsregion präsentiert. Zur Aufführung kommt zudem einer der größten Erfolge des vergangenen Jahrzehnts, der bereits Klassiker-Status erlangt hat, die „Infernal Affairs“-Trilogie von Andrew Lau und Alan Mak (2002/2003).
Eröffnet wird mit Dante Lams „Ji zhan“ („Unbeatable“), der prototypisch für das untrügliche Gespür des Hongkong-Kinos steht, im Kontext einer fesselnden Story Action und Emotion nahtlos ineinanderfließen zu lassen. Rund um einen Mixed-Martial-Arts-Wettbewerb und die damit motivierten viehischen Kloppereien siedelt Lam seine zu Herzen gehende Geschichte dreier Randständiger, Beschädigter an, die lernen, einander zu vertrauen und schließlich zu helfen. Eine unwahrscheinliche Mischung treibt auch den spritzigen Tanzfilm „Kwong mo paai“ („The Way We Dance“) von Adam Wong voran, in dem Streetdance und Tai-Chi, Jugendkultur und Tradition zwanglos zueinanderfinden und dann noch Platz für Herzschmerz und andere Turbulenzen lassen. Keinesfalls fehlen darf Johnnie To, dessen ebenso umfang- wie variationsreiches Schaffen als Regisseur und Produzent das neuere Hongkong-Kino maßgeblich geprägt hat. Er ist mit „Man tam“ („Blind Detective“) vertreten, in dem er einmal mehr seinen virtuosen Umgang mit unterschiedlichsten Genres beweist. Kein Stein bleibt auf dem anderen und kein Auge trocken, wenn der blinde Ex-Cop mit den übernatürlichen Fähigkeiten und die junge, unerfahrene Polizistin zahlreiche Bösewichte das Fürchten lehren. Flankiert wird die Reihe von zwei Folgen der populären Fernsehserie „ICAC Investigators“, die seit 40 Jahren von der staatlichen Anti-Korruptionsbehörde Independent Commission Against Corruption (ICAC) produziert wird und die in Form von Spielfilmen, die auf tatsächlichen Fällen beruhen, Einblicke in deren Arbeit vermittelt. Zu sehen ist die aktuelle Episode „Better Tomorrow“ von Adam Wong sowie „Battle of Wits“ von Dante Lam aus dem Jahr 2004.

Text: Alexandra Seitz

Foto: Arsenal – Institut für Film und Videokunst

Cinema from Hong Kong
bis Sa 31. Mai im Arsenal; www.arsenal-berlin.de

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