• Kino & Stream
  • Trauriger Abschied: Das Cinema in Friedenau muss schließen

Kino & Stream

Trauriger Abschied: Das Cinema in Friedenau muss schließen

Mehr als 100 Jahre lang war das Cinema ein Lieblingsort für viele Menschen in Friedenau. Der grüne Neon-Schriftzug draußen und die roten Wände drinnen im Kinosaal, der nur für etwa 90 Menschen Raum bot, sind die Markenzeichen des früheren Stummfilm- und heutigen Arthouse-Kinos. Ende Oktober wird das kleine Programmkino schließen.

Schon vor einigen Jahren betrauerten die Nachbar:innen, dass der charakteristische Neon-Schriftzug des Cinema durch LEDs ersetzt wurde. Nun trauern sie um einen Kulturort im Kiez. Foto: Imago/Schöning

Nur noch bis Ende des Monats können Kinofans das Cinema besuchen, eine kurze Zeitspanne im Vergleich zur langen Geschichte des Hauses. 1911 wurden das heutige Cinema, damals Corso genannt, als Stummfilmkino eröffnet. Und das unten in einem Friedenauer Wohnhaus. Klein, schillernd und besonders: auch die spätere Umbenennung in Kolibri passte. Es war wirklich ein besonderer Ort.

Was macht(e) das Cinema aber besonders? Vielleicht, dass es eines der letzten Ladenkinos ist, das sich mit seinem schlauchartigen Aufbau und nur einem einzigen Saal sofort vertraut anfühlt. Vielleicht auch, dass man in den vorderen der 16 Reihen manchmal spürt, wie die U-Bahn unter den Füßen vorbeirumpelt. Vielleicht ist es aber auch einfach ein ganz normales, kleines Kino. Und doch, wie jedes Mal, wenn ein Ort verschwindet, schmerzt der Abschied.

Der Abspann läuft: Ende Oktober ist es vorbei für das Cinema in Friedenau

Denn mit dem Wissen um den letzten Film auf der Leinwand spielt sich sofort ein kleiner Abspann vor dem inneren Auge ab. Szenen von alten Paaren, die vor dem Ladenkino sitzen und hier womöglich schon vor 50 Jahren ihr erstes Rendezvous hatten. Gedanken an Kinoausflüge, die man gemacht hat, aber vor allem an jene, die man hätte machen können. Denn oft ist es ja gerade das, was Abschiede so schmerzlich macht: Hätte man die Zeit nur mehr genossen! Hätte man es doch mehr ausgenutzt! Und: Hätte man das böse Ende dadurch vielleicht sogar abwehren können?

Für eine Rettung des Cinema ist es inzwischen zu spät, die Entscheidung steht fest. Das Kino Cinema, dessen Betreiberfirma zu Cineplex gehört, verweist auch auf die anderen Kinos in der Nähe, etwa das Cineplex Titania und den Adria Filmpalast, wo sich immerhin Gutscheine noch einlösen ließen. Doch die letzten Momente auszunutzen ist noch möglich. Bis einschließlich 29. Oktober zeigt das Kino noch Filme, danach fällt der letzte Vorhang. Doch immerhin macht das Kino es seiner Stammkundschaft etwas leichter. Vorbeugend gegen sentimentale Abschiedstränen läuft am letzten Tag „Das Kanu des Manitu“. Ob da überhaupt Emotionen aufkommen werden, ist fraglich.


Mehr zum Thema

Friedenau hat noch einige weitere Programmkinos: Hier sind 12 Gründe, um auch nach dem Cinema-Abschied nach Friedenau zu fahren. Neben Kinos gibt es viele süße Cafés in Schöneberg und Friedenau. Weitere Institutionen in der Gegend: Besucht doch auch mal die Bäckerei Babka und Krantz. Und wenn ihr schon im Südwesten seid, lohnt es sich, auch Steglitz zu erkunden – 12 Gründe, jetzt dorthin zu fahren. Kinofans aufgepasst: 12 Orte, die jeder Filmfan in Berlin gesehen haben muss. Vorhang zu für immer: Wir erinnern an weitere verschwundene Kinos in Berlin. Was ist los in der Stadt? Das Berlin-Programm mit Veranstaltungstipps findet ihr hier.

Berlin am besten erleben
Dein wöchentlicher Newsletter für Kultur, Genuss und Stadtleben
Newsletter preview on iPad