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„Cinema of Passion“ im Kino Arsenal

Arab_Divine_Intervention_05_c_QuelleArsenalInstitutFuerFilmUndVideokunstDie acht Filme entsprechen den ersten Plätzen eines Rankings. Im letzten Jahr hatte das Dubai International Film Festival (DIFF) jenes Projekt initiiert, an dem mehrheitlich arabische Fachleute teilnahmen. Sie wählten die 100 besten Filme aus dem arabischen Raum, mehrheitlich Produktionen aus Ägypten.

„Cinema of Passion“ heißt die Kompilation, deren frühester Beitrag aus dem Jahr 1939 stammt – „The Will“ von Kamal Selim. In die Top 10 hat es dieser zwar nicht geschafft, aber er steht inhaltlich für eine Strömung des ägyptischen Kinos, die sich auch in der Arsenal-Reihe sehr schön nachvollziehen lässt: das mutige, kritische Porträt hermetischer Arbeitswelten. In „The Will /El azima“ ist es Muhammad, der eine Anstellung verliert und sich fortan als Fabrikarbeiter verdingen muss.

In „Cairo Station/Bab el Hadid“ (1958) von Youssef Chahine, der glücklicherweise im Programm zu sehen sein wird, ist die Handlung gänzlich auf ein paar Gleise eines Kairoer Bahnhofes reduziert. Hier springt die junge Hannuma (Hind Rostom) über die Schienen, um gekühlte Softdrinks an Zugreisende zu verkaufen, während der hinkende Zeitungsbursche Qinawi (Regisseur Chahine selbst) der Schönen dabei zusieht und hofft, diese von einer Heirat mit anschließender Rückkehr in sein Heimatdorf überzeugen zu können. Die Bemühungen misslingen. Und Qinawi wechselt sein Gesicht vom bedauernswerten Junggesellen, der seinen Unterschlupf nach Arbeitsende mit Pin-up-Bildchen tapeziert, hin zu einem arglistigen Kretin mit grausigem Plan.

„Cairo Station“ ist dabei ein wahrer Genre-Reigen: Mal weint ein Mädchen um seinen Liebhaber, als entstamme es geradewegs einem Douglas-Sirk-Drama. Baumelnde Messer vor wirren Augen appellieren an ein expressionistisches Kino und wecken Erinnerungen an die düsteren Szenerien des Film noir. Und die Alltagsansichten eines verrußten wie bewegten Geländes: Die Italiener hätten sie wenige Jahre zuvor nicht besser einfangen können.

„The Mummy/Al-Mummia“ von Chadi Abdel Salam unterhielt dann ganz konkrete Beziehungen mit Italien: Produziert hat den Historienstoff kein Geringerer als Roberto Rossellini, und auch die Filmmusik ist ein Import aus Italien (Mario Nascimbene). „The Mummy“ erzählt von einer Begebenheit, wie sie nur in Ägypten angesiedelt sein kann – der Plünderung von Grabanlagen in der Nähe von Theben. Es ist das Jahr 1881, als Wannis (Ahmed Marei) erfährt, dass seine Familie schon lange von jenem Diebesgut lebt, für welches horrende Summen auf dem Schwarzmarkt aufgebracht werden. „The Mummy“ ist nahezu vollständig in nächtliches Blau getaucht, unterbrochen vom hellen Sand des Nilufers und einem Schwall violetter Blütenblätter, der sich über ein frisches Grab ergießt. Ein mysteriöser und hochcineastischer Film, der im „Cinema of Passion“-Ranking an vorderster Stelle rangiert – und somit auch Mitte des Monats auf der großen Leinwand des Arsenals zu sehen ist.

Den Auftakt zu „Best of Arab Cinema“ macht jedoch ein anderer: „West Beyrouth/West Beirut“ (1998) von Ziad Doueiri. Das politische Klima in Beirut zu Beginn des Bürgerkriegs im April 1975 steht hier im Zentrum, um das sich eine etwas lose, aber doch hübsche Coming-of-Age-Geschichte legt. Regisseur Ziad Doueiri hat zur Vorführung seine Anwesenheit versprochen.

Text: Carolin Weidner

Foto: Quelle: Arsenal – Institut für Film und Videokunst

Cinema of Passion Best of Arab Cinema, Arsenal, 13. bis 18.6., www.arsenal-berlin.de

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