Kino & Stream

„Cinema ?for Piss“ von Lars Penning

Da war sie also wieder, die „Cinema for Peace“-Gala, die sich seit Jahren mit bewundernswerter Frechheit in die Zeit der Berlinale drängt, in der berechtigten Gewissheit, dass die Anzahl von Nasen, die ihr Gesicht gern in jede Kamera halten, gerade dann besonders hoch ist. Wer immer sich also für prominent hält, darf vor dem großen Futtern mal kurz besonders betroffen gucken, daran glauben, dass Kino die Welt verändern kann, und ganz doll für den Frieden sein. Sind wir doch alle, oder?
Klar, für eine „Cinema for War“-­Sause würde man vermutlich nicht einmal den Vorstandsvorsitzenden eines Rüstungskonzerns als Redner gewinnen können. Als Mitarbeiter für den Frieden gewonnen wurde allerdings der – wiederum von ­“Cinema for Peace“ unterstützte – chinesische Großkünstler Ai Wei Wei, der am Ort des Geschehens, dem Konzerthaus am Gendarmenmarkt, erst Schinkels klassizistische Säulen mit orangefarbenen Rettungswesten verzierte und dann der versammelten Abendgesellschaft eine Notfall-Wärmedecke um die Schultern legte.
Hätte ich als Flüchtling im Mittelmeer um mein Leben bangen müssen, würde ich im Angesicht derart plump plakativen Kunsthandwerks vermutlich vor Wut in meine Rettungsweste beißen. Doch die Veranstaltung ist nicht nur megapeinlich, sondern irgendwie auch dubios. Angeblich wird dort Geld gesammelt, doch von wem und wofür ­genau lässt man doch lieber im ­Vagen. Immerhin hat man schon mal einen „Universal Peace Plan“. Den kann man auf der Internetseite des Veranstalters einsehen.“

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