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Cinespaсol 3 in Berlin

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Juan (Pablo Pinto) träumt in „De martes a martes“ vom eigenen Fittnesstudio

An diesem Morgen liegt das Meer vor dem Fischerdorf El Matal im Norden Ecuadors so ruhig da wie eine glänzende Glasscheibe. Die Ebbe hat schon eingesetzt, als der 30-jährige Fischer Blanquito zur Arbeit kommt. Sie gibt Holzkisten frei, die im Sand feststecken – voll mit reinstem Kokain. Schnell hat er sich einen Teil gesichert – was jetzt? „Pescador“ von Regisseur Sebastian Cordero verfolgt Blanquitos Versuche, seinen Schnitt zu machen, in einem spannenden Roadmovie mit einem sympathisch melancholischen Unterton. Dieser färbt auch weitere Filme der diesjährigen Kinotournee Cinespaсol, die Initiator Daniel У Dochartaigh zum dritten Mal durch die Lande schickt. Als Gründer des Münchner Filmverleihs Cine Global und Kenner des lateinamerikanischen Filmschaffens stellt er sieben fesselnde Beiträge jenseits des Mainstreams vor, darunter drei aus Spanien.

Etwa „Torrente 4“ von Santiago Segura. Dessen Möchtegern-Detektiv und Chaosbeschleuniger Torrente ist Kult in Spanien, wenn auch nicht jedermanns Geschmack, so schmierig reaktionär kommt der Typ daher. White Trash hat auch in „Carmina o revienta“ von Paco Leуn die Oberhand. Geplagt von einer Pechsträhne lässt die 59-jährige Barbesitzerin Carmina aus Sevilla sich auch dann nicht in die Knie zwingen, als man ihr 80 Schinken klaut.

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Eine eher leise Satire spielt sich im rauen Klima Patagoniens ab: „Tiempos menos modernos“ von Simon Franco zeigt, wie sich das Leben eines indigenen Schafhirten verändert, als ihm die Regierung einen Fernseher schenkt. Mit frechem Wortwitz begeistert die Komödie „Puro mula“ von Enrique Pйrez aus Guatemala. Ihr Titel bedeutet in etwa „Vollidiot“, und genau das trifft auf den 28-jährigen Herumtreiber Joel zu, den nur Bier und seine Gitarre interessieren. Als er seinen kleinen Neffen einen Tag lang hüten soll, schliddert er von einem Schlamassel in den nächsten.

Herausragendes aus Argentinien: „De martes a martes“ von Gustavo Fernбndez Triviсo konzen­triert sich auf Juan, einen Koloss von Mann. Der Bodybuilder arbeitet tagsüber in einer Textilfabrik und nachts als Türsteher. Wortkarg erduldet er die Schikanen seines Chefs, denn Juan spart für ein eigenes Fitnessstudio. Als er Zeuge einer Vergewaltigung wird, muss er Entscheidungen treffen, die ihn fast überfordern. Vielschichtig und lakonisch blättert dieser packende Film in den Facetten von Juans Charakter.

Cinespaсol 3 begeistert mit der Bandbreite an individuellen Schicksalen vor dem Hintergrund sich verschärfender sozialer Kontraste. Und wer es nicht ins Kino schafft und sich trotzdem zum Beispiel an der Weite Patagoniens berauschen möchte – für den gibt es die Edition auch auf DVD.

Text: Cristina Moles Kaupp

Foto: Cinespaсol

Cinespaсol 3 Do 2.1. bis Mi 15.1.: Kino Central und Eiszeit; Do 16.1. bis Mi 22.1.: Bundesplatz-Kino; Do 16.1. bis Mi 29.1.: Tilsiter Lichstpiele und Babylon Mitte; Do 30.1. bis Mi 5.2.: Kino Zukunft; www.cinespanol.de

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