Politdrama

„Clash“ im Kino

In einem Gefängnistransporter kommt es zum „Clash“

Foto: Missing Films

Zwei Jahre nach der ägyptischen Revolution von 2011: Die Proteste gegen den von der islamistischen Muslim-Bruderschaft gestellten Präsidenten haben derartige Ausmaße angenommen, dass er vom Militär entmachtet wird. In der Folge kommt es zu weiteren gewalttätigen Demonstrationen von Befürwortern und Gegnern dieses Putsches und zu Zusammenstößen mit dem Militär und der Polizei. Das ist die Ausgangslage von Mohamed Diabs dramatischem Spielfilm „Clash“, den der ägyptische Regisseur komplett aus der Perspektive des Inneren eines Gefängnistransporters gefilmt hat. Und weil die Polizei beim Verhaften nicht gerade sorgfältig vorgeht, finden sich in selbigem bald alle möglichen Menschen wieder: Demonstranten beider Lager, Alte und Junge, Frauen und Kinder sowie zwei Journalisten.

Ein Mikrokosmos der Gesellschaft, zusammengepfercht auf wenigen Quadratmetern, teils heftig verfeindet – und doch aufeinander angewiesen. Denn einerseits sind da die chaotischen äußeren Umstände: Steine fliegen, Schüsse fallen, die Hitze macht allen zu schaffen, die Leute müssen aufs Klo. Andererseits traut man sich gegenseitig nicht über den Weg, versucht gewisse Machtverhältnisse auch innerhalb des Transporters herzustellen und muss doch gewisse Grenzen wahren. Diab gelingt es dabei, hochdramatische und ruhige Passagen gut auszubalancieren, vor allem aber ergreift er keine Partei: Sein Film lässt allen Protagonisten jene menschliche Würde, die ihnen von Polizei, Militärs und einem hysterisch-zügellosen Mob bis zum bitteren Ende streitig gemacht wird. Lars Penning

Clash AEG/D/F 2016, 95 Min., R: Mohamed Diab, D: Nelly Karim, Hany Adel, Tarek Abdel Aziz, Ahmed Malek, Start: 19.10.

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